Gentechnik

Thomas Radlberger

Die Gentechnik läßt Österreich erzittern - was der Bauer nicht kennt, ißt er nicht. Wie so oft in der Geschichte tun sich Rechtskonservative hervor, um „unser“ Österreich vor jeglicher Neuerung zu schützen. Alle wollen sie auch noch in der Zukunft in ihr „genfreies“ Schnitzelsemmerl genüßlich beißen können.Und wir?
Auch der Chauvinismus kommt nicht zu kurz - Österreich muß GENFREI bleiben! Selbst die Kornen Zeitung kann das unterstützen. Doch hat diesen Leuten schon mal jemand gesagt, daß Gene essentielle Bestandteile jedes Lebewesens – ja jeder Zelle sind?

Was ist Gentechnik eigentlich ?

Der Mensch betreibt Gentechnik wohl seit seiner Menschwerdung. Er war wohl das erste Lebewesen, das gezielt Pflanzen und Tiere züchtete und sie somit der natürlichen Selektion ausschloß. Das Ergebnis läßt sich zeigen: das Hausschwein – so dick und fett, daß es sich kaum bewegen kann; das Suppenhuhn – eine eßbare Legebatterie; der deutsche Schäferhund – ein degenerierter Wolf, der schon als zweijähriger wegen seinem kaputten Becken nur mehr winselnd auf allen Vieren kriechen kann.

„Modernen” Gentechnik

Doch jetzt zu der „modernen” Gentechnik: Auch hier geht es darum, „günstige“ Merkmale von verschiedenen Lebewesen zu kombinieren und vereinigen. Transgene Pflanzen sind solche, denen Gene aus anderen Organismen eingeimpft wurden. Dafür gibt es bereits die unterschiedlichsten Methoden. Diese Gene geben der Pflanze bestimmte Resistenzen gegen Spritzmittel, die Schädlinge, aber auch andere Organismen, nicht haben. Beim Einsatz solcher Spritzmittel kann die transgene Pflanze überleben, während andere zugrunde gehen. Das ist nur ein Beipiel in der breiten Palette der Gentechnologie.

Die Gefahren der Gentechnik

Die Gefahr besteht wohl darin zu glauben, daß durch eine neue Technik gesellschaftliche Probleme des Kapitalismus gelöst werden können. Hunger ist aber bekanntlich ein Verteilungsproblem und kein biologisches. Solange Profitdenken und Anarchie in der Wirtschaft die Oberhand haben, wird es zu keiner Lösung der anstehenden Probleme, wie Hunger und Elend kommen können.
Die Hauptgefahr der Gentechnik ist sicher die Machtkontrolle der multinationalen Agrarkonzerne. Patentrezepte für eine möglichst effektive Landwirtschaft werden angeboten. Verkauft werden Kombiangebote, welche den transgenen Samen und das dazugehörige Dünger- und Schädlingsbekämpfungsmittel beinhalten. Die Abhängigkeit des Bauern von einem Konzern steigt dadurch immens.
 Vorallem in den exkolonialen Ländern wird die Leichtgläubigkeit an einen höheren Profit von Promotionprofis der Agrarmultis beinhart ausgenützt. Eine Parallele zu "Kunstdünger" oder DDT der Nachkriegszeiten tut sich hier auf.

Die Chancen

Die Gentechnik birgt viele Chancen, aber auch Risken. Sinnvoll war, aus einfachen Gräsern Weizen mit großen Ähren zu züchten. Idiotisch war, einen Schäferhund mit zu schmalem Becken zu züchten. Die Gentechnik der Zukunft, bei der sich Züchtung in einem viel rasanterem Tempo abspielt, muß sich solchen Fragen stellen.
Sinnvoll ist, Insulin mit Hilfe von Biotechnologie billig herzustellen. Idiotisch ist, transgenen Mais in riesigen Monokulturen anzubauen, dabei Gefahr zu laufen andere Lebewesen zu gefährden und ihn dann Schweinen zu verfüttern, von denen es in Europa eh schon zu viele gibt. Meiner Meinung nach ist der kommerzielle Anbau transgener (gentechnisch veränderter) Pflanzen bei dem derzeitigen Wissensstand überhaupt fraglich.

Unsere Aufgabe

Eines ist aber sicher: Die Gentechnik wird mit oder ohne uns angewendet werden, egal ob in der Landwirtschaft, Medizin oder sonstwo. Gerade dieser Punkt zwingt uns SozialistInnen dazu, Stellung zu beziehen und bei Diskussionen an vorderster Front zu stehen. Entscheident ist aber sicherlich, wer die Kontrolle inne hat. Ein Kapitalist (der nur auf Profite) aus ist, wird wohl kaum auf Umweltschutz oder Artenvielfalt achten.
Zuerst muß ein Anbau von transgener Pflanzen nur des Profits wegen, ohne Nutzen der Bevölkerung verhindert werden. Eine demokratische Kontrolle mit Rechenschaftspflicht wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch für ein Wirtschaften ohne Profitdenken und mit Kontrolle der Bevölkerung über die Produkte bedarf es einer neuen, gerechten Gesellschaft, die es erst zu schaffen gilt.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

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