Die Rückkehr der leeren Regale?

Stefan Brandl

Klopapier gibt es zwar genug, trotzdem rechnen viele Einzelhandelsunternehmen mit Lieferengpässen bis Mitte 2022. In Österreich sind 75% aller Unternehmen von Lieferproblemen betroffen. Besondere Einschnitte gibt es vor allem bei technisch-mechanischen Produkten - Stellantis unterbricht die Auto-Produktion wegen fehlender Chips in Wien-Aspern - ,Möbeln und Spielzeug.

Regionen und Wirtschaftssektoren haben sich seit Beginn der Pandemie unterschiedlich schnell erholt. Vor allem die strengstens durchgeplante Container-Logistik ist am stärksten betroffen; Container stecken fest und fehlen woanders. Die Globalisierung, die einst Ausdruck des “fortschrittlichen” Neoliberalismus war, steht sich nun selbst im Weg. Durch Verlagern von Transport und Produktion in Billiglohnländer sollten Kosten gedrückt werden und die Profitrate pro Stück so hoch wie möglich geschraubt werden. Mit “just-in-time” Produktion wurden Kosten für Lagerkapazitäten eingespart; das globale Transportwesen war stabil genug, um hier Kosten für “Puffer” einzusparen.

Die Entwicklung entgegen dieser globalen Abhängigkeiten und Lieferketten hin zu mehr Protektionismus, verschärftem inter-imperialistischen Wettkampf und Rückzug auf die “heimische” / “nationale” Wirtschaft hat bereits vor Corona begonnen. Die unmittelbaren Gründe: Logistisches Chaos, lange Wartezeiten, ineffiziente Produktionsprozesse im Kapitalismus, Personalmangel (beginnend mit der Logistikbranche), erhöhte Zölle und internationale Spannungen im kalten Handelskrieg. Letzterer wirkt sich besonders auf die Kosten von Energieträgern wie Erdöl (+80%), Erdgas (+500%) aber auch Strom aus. Die Pandemie gießt hier nur teurer werdendes Öl ins Feuer: Kollapse von Häfen und Fabriken durch Corona-Infektionen, Personalmangel im Handel selbst. Der globale Kapitalismus versucht, mit dieser Verschiebung in der Produktion dem Sinken der Profitabilität entgegenzuwirken und die “Trägheit” von internationalen Lieferketten zu umgehen. Die verzweifelte Suche nach schwindenden Profiten und härterer Imperialismus werden dann als “modern” und “effizient” verkauft. Bestenfalls kann so nur die nächste Krise hinausgezögert werden.

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25.03.2020

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