Daten sammeln: Wofür und für wen?

Die technischen Möglichkeiten, sehr viel über uns alle zu wissen, werden aktuell für Profite genutzt
Brettros

2012 berichtete die New York Times, dass ein Vater in einem Target Einzelhandelsgeschäft (USA) den Manager anschrie, weil seine jugendliche Tochter Gutscheine für Babyartikel erhalten hatte. Eine Woche später kehrte er zurück, entschuldigte sich, da er soeben erfahren habe, dass seine Tochter schwanger war. Der Artikel behauptete, dass ein Statistiker ein Modell entwickelt hatte, um Kaufgewohnheiten zu verschiedenen Produkten zu analysieren und so herauszufinden, ob Frauen schwanger waren.

Das ist nur ein Beispiel, wozu die Datenwissenschaft im Kapitalismus führt. Daten wurden auch früher gesammelt, doch große Unternehmen wie Facebook, Netflix & Co. entwickeln ausgefeilte Tools, um sehr detailliert herauszufinden, wer wir sind und was sie uns verkaufen können bzw. auch unsere „Bedürfnisse“ profitbringend zu steuern.

Das gesamte Geschäftsmodell von Facebook basiert darauf, so viele Daten wie möglich über uns zu sammeln. Kaum unterschätzt werden kann die Gefahr des Facebook-Tools "Personen, die du kennen könntest", das die Identität von Menschen enthüllen kann. Überlebende von häuslichem Missbrauch, politische AktivistInnen und andere, die verschiedene Konten mit unterschiedlichen E-Mails auf verschiedenen Geräten nutzen, können trotzdem noch durch die Algorithmen von Facebook identifiziert werden.

Netflix, das Informationen über unsere Sehgewohnheiten zur Produktion von Fernsehsendungen und Filmen nutzt, verfügt über bis zu 75.000 verschiedene Filmkategorien (104 allein für Zombies).

Datenwissenschaften sind extrem wertvoll für Technologieunternehmen und der Harvard Business Review nennt sie den "sexiest job of the 21st century" ("attraktivster Job des 21. Jahrhunderts"). Im Kapitalismus ist die Verletzung unserer Privatsphäre, um uns gezielter mit Werbung anzusprechen also "sexy"!

Doch können Datenwissenschaften auch zum Wohle von Menschen eingesetzt werden? Eine alte Kritik am Sozialismus ist, dass es ohne einen Markt unmöglich zu wissen sei, was man produzieren soll. Die Entwicklungen im Bereich der Datenwissenschaft zeigen, dass es möglich wäre, genau herauszufinden, was in einem Bezirk, einer Stadt, einem Land oder der ganzen Welt gewünscht und benötigt wird.

Ohne das Motiv der Gewinnmaximierung könnten wir in einer sozialistischen Gesellschaft Algorithmen und Analysewerkzeuge entwickeln, die unser Leben tatsächlich verbessern und bereichern würden. Anstatt uns sagen zu lassen, dass wir mehr und mehr kaufen müssen, um glücklich zu sein und ein bestimmtes vorgefertigtes Bild zu erfüllen, können wir die technischen Möglichkeiten für Arbeitszeitverkürzung und Verbesserung der Unterhaltung nutzen.

Das alles ist möglich, ohne unsere Privatsphäre als Einzelpersonen zu verletzen. Wir können sicherstellen, dass für jedeN gesorgt ist - aber nur in einem System, wo die Produktion, die gesellschaftlichen Reichtümer und eben auch Daten unter der demokratischen Kontrolle der ArbeiterInnen stehen.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Der Wahnsinn des Kapitalismus

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23.5.2018

Der Wahnsinn des Kapitalismus: Wir arbeiten grad am nächsten Vorwärts, im Schwerpunkt geht es um Imperialismus und die wachsende Kriegsgefahr. Dazu passend verschickt die schwedische Regierung an...mehr