Sudan: Die Konterrevolution zeigt ihre hässliche Fratze – heldenhafter Widerstand der Bevölkerung gegen den blutigen Schlag der Regime-Milizen.

Serge Jordan

Am Montag, den 3. Juni, vor Tagesanbruch, räumten das sudanesische Militärregime und seine Schläger brutal die Besetzung, die seit dem 6. April vor dem Militärhauptquartier in der sudanesischen Hauptstadt Khartum stattfand. Die Besetzung stellte das Zentrum des anhaltenden Aufstandes dar, der den langjährigen diktatorischen Präsidenten Omar al-Bashir stürzte.

Dieser konterrevolutionäre Schritt wurde von Sicherheitskräften und einer Reihe reaktionärer Milizen, insbesondere der sogenannten „Rapid Support Forces“ (RSF), durchgeführt. Diese gewalttätigen paramilitärischen Truppen wurden 2013 offiziell gegründet, um als Leibgarde von al-Bashir zu fungieren. Sie bilden die Nachfolge der Janjaweed-Miliz, die sich während des Krieges in Darfur vor mehr als einem Jahrzehnt durch Massenmorde, Vergewaltigungen, Plünderungen und unzählige andere Gräueltaten einen berüchtigten Ruf erworben hat.

Die RSF-Milizionäre übertrugen diese Methoden direkt in das Zentrum der Hauptstadt. Sie zogen in einem mörderischen Amoklauf durch die Stadt, zündeten die Zelte der Besetzung an, vergewaltigten Frauen, rasierten die Köpfe der Demonstrant*innen mit Rasiermessern und prügelten sie mit Peitschen. Sie verfolgten, prügelten und überfielen unbewaffnete Zivilist*innen auf den Straßen, schossen mit scharfer Munition auf Krankenstationen und plünderten Geschäfte. Ähnliche Gewalt, wenn auch in geringerem Ausmaß, wurde in Port Sudan, Sinar, Atbara und vielen anderen Orten eingesetzt. Videomaterial, das in den sozialen Medien verbreitet wurde, zeugt von der anhaltenden Gewalt, die vom RSF in Khartum und anderen Städten ausgeübt wird.

Das sudanesische Ärztekomitee schätzt die Zahl der vorläufigen Todesopfer auf über einhundert; hunderte weitere Personen wurden bislang verletzt. Die tatsächliche Zahl der Opfer der blutigen Razzia vom Montag dürfte allerdings deutlich höher sein. Eine vertrauenswürdige Nachrichtenquelle mit Verbindungen zum Sicherheitsapparat berichtete einem sudanesischen Journalisten, dass „einige Menschen zu Tode geprügelt und in den Nil geworfen wurden, auf einige wurde mehrmals geschossen und in den Nil geworfen – und andere wurden mit Macheten attackiert und ebenfalls in den Nil geworfen. Es war ein Massaker.“ Seither wurden etwa 40 Leichen von toten Demonstrant*innen aus dem Fluss geborgen.

Angst vor der Revolution

Mit barbarischer Unterdrückung versuchte die Militärjunta, die nach dem Sturz von al-Bashir die Macht an sich gerissen hatte, den Massen Angst einzujagen und dem revolutionären Kampf, der das Land seit Dezember 2018 erschüttert, einen schweren Schlag zu versetzen. So zielt der Einsatz von Vergewaltigungen beispielsweise darauf ab, den Geist des Widerstands der vielen sudanesischen Frauen zu brechen, die stets an der Spitze der revolutionären Mobilisierungen standen. Den Frauen kam eine Schlüsselrolle bei der Abwehr der Erniedrigungen zu, die das alte Regime ihnen entgegenbrachte.

Vor der Razzia am 3. Juni besuchten der Führer des sogenannten „Transitional Military Council“ (TMC), General Abdel Fattah al-Burhan, und sein Stellvertreter General Mohamed Hamdan Dagalo, Leiter des RSF, die Städte Kairo, Riad und Abu Dhabi. Mit diesen Besuchen, wollten sich die Milizführer grünes Licht für ihr Vorgehen, sowie die Unterstützung und den Rat al-Sisis, dem Schlächter der ägyptischen Revolution, und der reaktionären Monarchen im Golf – den wichtigsten regionalen Unterstützern der TMC – für den mörderischen Angriff am Montag geben lassen. Die Machthaber in Ägypten, im Iran und in Saudi-Arabien erhoffen sich davon, die gnadenlose Diktatur in Khartum wiederherzustellen. Eine solche Diktatur könnte die sudanesische Revolution in Blut ertränken, revolutionäre Bestrebungen, die sich in ihren eigenen Hinterhöfen entwickeln könnten, einschläfern und ihnen weiterhin Kanonenfutter für ihren Krieg im Jemen liefern.

Der Zeitpunkt dieser dramatischen Ereignisse ist kein Zufall. Der inspirierende revolutionäre Kampf der sudanesischen Massen erreichte letzte Woche mit einem starken zweitägigen Generalstreik, der das Land vollständig zum Erliegen brachte, eine neue Dimension. Der Erfolg dieses Streiks, der die enorme potenzielle Macht der Arbeiter*innenklasse zum Ausdruck brachte, erschreckte die Generäle und die besitzenden Klassen in der gesamten Region eindeutig. Unter anderem hat die Revolution der unabhängigen Arbeiter*innenklasse mit dem Wiederaufbau unabhängiger Gewerkschaften, die einst von al-Bashirs Regime zerstört worden waren, einen neuen Impuls gegeben. Die Arbeiter*innen haben gezeigt, dass sie eine ernstzunehmende gesellschaftliche Kraft sind mit der zu rechnen ist. Sie haben zudem gezeigt, dass sie das gesamte Gebäude bedrohen können, auf dem sich die politische und die wirtschaftliche Macht der Junta gründet.

Leider fehlt es an einer entschlossenen Führung, die einen Plan für das weitere Vorgehen nach dem zweitägigen Generalstreik, der der Macht der Generäle den Boden unter den Füßen weggezogen hatte, vorgab. Unmittelbar nach Ende des Generalstreiks führten die Militärführer eine Gegenoffensive durch und beschlossen, den symbolträchtigsten und dynamischsten Ausdruck der Revolution anzugreifen. Die Führer des TMC erklärten, dass die Besetzung zu einer Bedrohung für die „Sicherheit des Landes“ geworden sei und beendet werden müsse. Die regimefreundlichen Medien gerieten in einen wahren Rausch und bezichtigten die friedliche Besetzung als Zentrum von Drogenschmuggler*innen, Ausschweifungen und Kleinkriminalität zu fungieren, um so seine Auflösung und das anschließende Massaker zu rechtfertigen.

Die Überreste des alten Regimes und ihre internationalen Geldgeber*innen planten ihren Operation akribisch. Das Büro von Al Jazeera in Khartum wurde am 31. Mai geschlossen – seinen Journalist*innen wurde jegliche Berichterstattung aus dem Sudan untersagt. Um weitere Berichterstattungen einzuschränken wurde das Internet am Montag bundesweit abgeschaltet und seitdem nicht wiederhergestellt. Reguläre Armeeeinheiten wurden in ihre Kasernen verfrachtet – vielen von ihnen wurde ihre Waffen abgenommen, damit sie das schmutzige Vorgehen der RSF-Söldner nicht behindern konnten. Später wurde von Szenen berichtet, in denen Soldaten hilflos schluchzten, während sich das Blutbad entfaltete.

Diese Tränen stehen den vergossenen Krokodilstränen der westlichen Regierungen und ihrer unfassbaren Heuchelei gegenüber. Die EU hat im Laufe der Jahre Millionen in den RSF gesteckt, um die Migration aus dem Sudan nach Europa einzudämmen. Das Weiße Haus und viele europäische Regierungen haben das saudische Regime unterstützt und mit jenen Waffen versorgt, die eingesetzt werden, um brutal gegen Demonstrant*innen und andere unschuldige Zivilist*innen auf den sudanesischen Straßen vorzugehen.

 

Keine weiteren Verhandlungen mit den blutrünstigen Generälen

Die politischen Lehren aus den Geschehnissen müssen vollständig gezogen werden, um sicherzustellen, dass das Blut der Märtyrer*innen vom 3. Juni und den folgenden Tagen nicht umsonst vergossen wurde. Bevor es zu diesen Ereignissen gekommen war, hatten das CWI und seine Sektion im Sudan immer wieder argumentiert, dass man keinen Kompromiss mit den alten Generälen des Regimes schließen dürfe, die die Macht gewaltsam erobert hatten, um die Ausbreitung der revolutionären Welle zu unterbrechen.

In einer Erklärung der „Socialist Alternative Sudan“ vom 23. Mai heißt es dazu: „Warum sollte eine Revolution, die al-Bashir durch den Schweiß, die Tränen und das Blut unseres Volkes losgeworden ist, am Ende eine Machtteilung mit jenem Teil des repressiven Apparats aushandeln, der seine Herrschaft so lange geschützt und von ihr profitiert hat? Die militärischen Machthaber haben keinesfalls die Absicht, die Macht abzugeben – und sie werden den Schauplatz nicht verlassen, es sei denn, sie werden durch die Kraft der revolutionären Massenaktion dazu gezwungen – die einzige Sprache, die sie verstehen.“

Bereits Anfang April war die erste Reaktion der Straße auf die Ankündigung der Gründung des TMC der Slogan „Die Revolution hat gerade erst begonnen“, um zu zeigen, dass viele Menschen nicht bereit waren, in die Falle der Täter*innen des Militärputsches zu tappen. Leider traf diese Haltung nicht auf die Führer*innen der Revolution zu, die vorgaben im Namen der Massen zu sprechen. Organisiert in den „Forces for the Declaration of Freedom and Change“ (FDFC) akzeptierten sie, mit den Generälen von al-Bashir zu verhandeln.

Das FDFC ist ein breites Oppositionsbündnis, dessen Kernstück die „Sudanese Professional Association“ (SPA, ein Netzwerk von Gewerkschaften, das bei Arbeiter*innen und Basisaktivist*innen für ihre organisatorische Rolle in der Bewegung große Autorität besitzt) ist, aber auch rechtsgerichtete Oppositionsparteien, die in die bürgerliche sudanesische Elite eingebettet sind, wie die National Umma Party und die Sudanesische Kongresspartei, umfasst.

Diese letztgenannten Parteien haben eine lange Tradition darin, Zugeständnisse an das Regime von al-Bashir zu machen. Sie haben der Massenbewegung nie vertraut, sondern wollten sie dominieren, um sich den Zugang zu lukrativen politischen Posten in einer zukünftigen kapitalistischen Regierung zu sichern. Die Führer*innen der Umma-Partei zeigten schließlich ihr wahres Gesicht und lehnten den Aufruf zum Generalstreik der vergangenen Woche offen ab. Jetzt haben sie sich für das jüngste politische Manöver des TMC, innerhalb von neun Monaten Wahlen abzuhalten, ausgesprochen. Unter den derzeitigen Bedingungen wären Wahlen, bei denen die Militär- und Sicherheitsclique die absolute Kontrolle hat, allerdings nichts anderes als eine autoritäre Maskerade.

Mit dem Versuch, die Einheit der Opposition unter der Führung des FDFC praktisch zu garantieren, haben die Führer*innen des SPA den Weg in eine Sackgasse eingeschlagen und versucht, die Forderungen der revolutionären Bewegung mit den zynischen Ambitionen der konterrevolutionären Militärherrscher in Einklang zu bringen. Alle SPA-Anhänger*innen sollten daher fordern, dass das SPA mit allen prokapitalistischen Kräften und Führer*innen bricht, die eine Bereitschaft zeigen, auf dem Rücken der revolutionären Bewegung einen Deal mit den militärischen Schlächtern auszuhandeln.

Die Verhandlungsführer*innen der FDFC glauben, die korrupte und brutale Junta besänftigen und sie davon überzeugen zu können, einen „vernünftigeren“ Standpunkt einzunehmen, indem sie sich die Macht in einem souveränen Organ teilen, das sich aus militärischen und zivilen Vertreter*innen zusammensetzt. Mehrere Wochen lang wurde Zeit mit sinnlosen Verhandlungen mit dem TMC verschwendet, was zu Verwirrung in der Bewegung führte und viele Aktivist*innen erzürnte. Vielen Demonstrant*innen war von Anfang an klar , dass die Generäle nicht am Verhandlungstisch saßen, um bereitwillig ihre Macht aufzugeben, sondern um Zeit zu gewinnen, die Opposition mit vagen Versprechungen zu täuschen und auf die richtige Gelegenheit zu warten, Gewalt gegen die Massen auf den Straßen auszuüben.

Am Mittwoch hielt General Burhan eine Fernsehansprache, in der er sagte, der TMC sei bereit, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Er verkündete dies während seine Handlanger auf den Straßen schossen, schlugen und töteten – und Stunden bevor die Sicherheitskräfte einen prominenten Oppositionspolitiker, Yasir Arman, Führer der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung Nord (SPLMN), verhafteten. Die Sprecher der FDFC haben zurecht erklärt, dass sie alle politischen Kontakte zum Militärrat einstellen und die Verhandlungen aussetzen werden, da sie der Ansicht sind, dass „die Junta nicht länger berechtigt ist, Verhandlungen mit dem sudanesischen Volk zu führen“. Doch das war sie nie! Von Anfang an, unter dem enormen Druck der Massenbewegung, war der TMC nichts anderes als das Herzstück der Konterrevolution, die sich aus berüchtigten korrupten Kriegsverbrechern und alten Regimefans zusammensetzte. Diese versuchten, eine Revolution zu kontrollieren, die eine direkte Bedrohung für ihre brutale Herrschaft und ihr Ausbeutungssystem darstellte. Aus ihrer Sicht geschah die Absetzung von al-Bashir und anderen Spitzenbeamt*innen nur, um die wesentlichen Grundlagen der alten Staatsmaschine zu erhalten und ihre eigenen Positionen zu sichern, aus denen sie wichtige Privilegien und wirtschaftlichen Reichtum ableiten.

Heroischer Widerstand

Trotz des Ausmaßes der Gewalt des Regimes demonstrierten die am Montag vor dem Verteidigungsministerium vertriebenen Protestierenden heroischen Widerstand. Sie demonstrierten weiter und errichteten Barrikaden in den Straßen von Khartum und der Nachbarstadt Omdurman. In der Umgebung der gesamten Hauptstadt strömten Menschen auf die Straßen, um gegen die Aktionen der Junta zu protestieren, verbarrikadierten Straßen mit Ziegeln, zündeten Reifen an und blockierten Brücken. Am Dienstag wurden in den sozialen Medien Videos verbreitet, die zeigen, wie Anwohner*innen sogar ihre "Eid al-Fitr" Gebete zum Fastenbrechen am Ende des Ramadan hinter den Barrikaden verrichteten.

Laut einem in Khartum lebenden CWI-Aktivisten hatten Demonstrant*innen am Mittwoch, den 5. Juni, die meisten Straßen in der Stadt gesperrt, obwohl einige der Barrikaden zwischenzeitlich wieder gewaltsam entfernt wurden. In heftigen Straßenschlachten stellten sich wütende Jugendliche regelmäßig den RSF-Patrouillen entgegen, die herumstreiften und Menschen terrorisierten. Es sind weiterhin Schüsse zu hören und es finden weiterhin Morde statt. Am Dienstagabend versuchten die Sicherheitskräfte, den Sitz von Port Sudan vor der 101. Infanteriedivision zu zerstören. Dies misslang allerdings, weil die Arbeiter*innen die Streiks und den zivilen Ungehorsam fortsetzten. Demonstrant*innen sperrten zudem die meisten Hauptstraßen und eine Reihe von Stadtvierteln mit Barrikaden und brennenden Reifen ab.

Als das Ausmaß des Massakers in Khartum deutlich wurde, brachen am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in verschiedenen Teilen des Landes wütende Märsche, Massendemonstrationen und Straßenblockaden aus. Am Mittwoch kam es in Zalingei im Zentrum von Darfur, in El Geneina im Westen von Darfur und in Nyala im Süden von Darfur zu Massendemonstrationen, die dem eingesetzten Tränengas und der scharfen Munition mit Parolen trotzten, die den Sturz der Militärjunta forderten.

Teile der Arbeiter*innenklasse haben aus Protest gegen die Aktionen der Militärjunta ihre Werkzeuge niedergelegt, ebenso wie die Ölfeldarbeiter*innen in West Kordofan. Am Montag wurden nationale und internationale Flüge auf dem Flughafen Khartum gestrichen. Zeitgleich erklärte die sudanesische Pilot*innenvereinigung, uneingeschränkten zivilen Ungehorsam bei allen Flügen zu leisten. Als Reaktion darauf zwangen die Regime-Milizen die streikenden Arbeiter*innen, unter Lebensgefahr weiterzuarbeiten. Streikende Flughafenarbeiter*innen wurden in ihren Wohnungen aufgesucht und mit vorgehaltener Waffe gezwungen, zur Arbeit zu gehen. Ein Mann, der sich weigerte, wurde vor den Augen seiner Familie erschossen.

Die Bedrohung durch eine solche brutale Konterrevolution muss mit organisierten kollektiven Massenaktionen und Selbstverteidigung durch die revolutionären Massen beantwortet werden. Nachdem die Milizen mit Terror, Vergewaltigung und Morden gegen die Demonstrant*innen vorgehen, ist die Organisation der physischen Verteidigung der Revolution zu einer Frage von Leben und Tod geworden. An allen Arbeitsplätzen, in allen Gemeinden und Nachbarschaften müssen Verteidigungskomitees gegründet werden, die sich untereinander vernetzen, ihr Handeln koordinieren und alle verfügbaren Waffen, einschließlich der Behelfswaffen, zentral erfassen.

Auch die Klassenunterschiede innerhalb der Streitkräfte und die revolutionären Sympathien, die noch immer bei vielen einfachen Soldaten vorhanden sind, sollten unverzüglich adressiert werden. Schließlich war die drohende Meuterei in den unteren Reihen der Armee einer der Hauptgründe für die Eile der Junta, Omar al-Bashir loszuwerden. Die SPA und die Revolutionskomitees sollten öffentliche Aufrufe an die ranghöchsten Soldaten und Nachwuchsoffiziere richten, alle Befehle des Militärrates abzulehnen, gegen ihre Kommandeure zu rebellieren und ihre eigenen Komitees demokratisch zu wählen. Sie müssen sich mit den revolutionären Massen verbinden, um ihnen zu helfen, alle Milizen davonzujagen und zu entwaffnen, sowie alle Mörder, Vergewaltiger und Folterer zu verhaften und zu verurteilen.

Die Forderungen der SPA nach einem „vollständigen zivilen Ungehorsam, der Schließung aller Hauptstraßen, Brücken und Häfen und einem offenen politischen Streik an allen Arbeitsplätzen und Einrichtungen im öffentlichen und privaten Sektor“ gehen in die richtige Richtung. Während die Forderung für einen „umfassenden Streik“ beginnend am Sonntag erhoben wurde, gibt es bereits jetzt Anzeichen für seine Entwicklung – obwohl es vor dem Hintergrund der Feiertage zum Ende des Ramadan schwierig ist, sein wirkliches Ausmaß zu beurteilen. Die Massen können sich den Luxus des Wartens jedenfalls nichts leisten! Sofortiges und entschlossenes Handeln ist erforderlich, um den aktuellen Amoklauf der Konterrevolution zu überwinden. Barrikaden auf den Straßen, Streikaktionen mit Arbeiter*innenverteidigungsgruppen zum Schutz der Arbeitsplätze, Besetzungen strategischer Standorte und der Infrastruktur sind der richtige Weg, um die aktuelle Offensive der reaktionären Junta, ihrer Milizen und Sicherheitskräfte zu lähmen und eine entschlossene revolutionäre Gegenoffensive zu starten.

Nieder mit dem TMC – Alle Macht den Arbeiter*innen und dem revolutionären Volk!

Im Verlauf des revolutionären Kampfes nahm ein weitreichender Prozess der Basisorganisation in den Gemeinschaften und an den Arbeitsplätzen, in den lokalen Gebieten und bei den Sit-in-Protesten Gestalt an, wodurch eine Situation der „doppelten Macht“ entstand: Die Herausforderung der alten Staatsmaschinerie zu bewältigen, wie von den Generälen und Überresten des alten Regimes betrieben, schuf den Embryo einer neuen Gesellschaft in Gestalt verschiedener lokaler Revolutionskomitees. Mit diesen lokalen Komitees als Gründungseinheit könnte eine neue revolutionäre Staatsmacht aufgebaut werden, die die Militärclique im TMC und seine verschiedenen Anhänger*innen herausfordern könnte. Nachbar*innenschafts-, Streik- und Betriebskomitees könnten, wenn sie verallgemeinert werden, Vertreter*innen in lokale, regionale und landesweite Räte wählen und im Namen der Revolution um die politische Macht kämpfen.

Um einen solchen Kampf zur Mobilisierung der breitesten Kräfte und Unterstützung zu führen, muss die Bewegung nicht nur die Forderungen nach einer echten Demokratie im Sudan aufgreifen, sondern auch die brennenden sozialen und wirtschaftlichen Fragen angehen, die die Massen tagtäglichem Leid aussetzen: der Kampf um Brot, Arbeitsplätze, angemessene Löhne, Wohnen, Land, Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung, Verkehr und Sozialleistungen. Wenn ein solches Programm konsequent argumentiert wird, könnte es sogar dazu beitragen, die Reihen einiger der am meisten unterdrückten und unterrepräsentierten Jugendlichen zu durchbrechen, die in die Milizen des Regimes eingeschrieben und derzeit zur Unterdrückung der Bewegung mit Waffen ausgerüstet sind.

Doch letztendlich können diese Forderungen nur erfüllt werden, wenn die Schlüsselsektoren der Wirtschaft der korrupten militärischen Elite und der in- und ausländischen Kapitalist*innenklasse entzogen werden, die sie zur eigenen Bereicherung anzapfen. Wie „The Economist“ am 27. April kommentierte: „Die Junta hat viel zu verlieren. Schätzungsweise 65 %–70 % der Staatsausgaben fließen in die Sicherheit, verglichen mit nur 5 % für öffentliche Gesundheit und Bildung. Familien, die mit dem Militär- und Sicherheitsdienst verbunden sind, leiten jene Unternehmen, die die sudanesische Wirtschaft dominieren.“ Diese Unternehmen müssen in öffentliches Eigentum überführt werden, das von den Arbeiter*innen und den revolutionären Massen demokratisch geplant und verwaltet wird.

Eine Regierung aus Arbeiter*innen und armen Bauern und Bäuerinnen, die eine sozialistische Politik umsetzt, würde der Plünderung der Wirtschaft und der Fülle des Elends, die diese mit sich bringt, ein Ende setzen und die Konterrevolution politisch und militärisch entwaffnen. Eine solche Regierung, die an die Arbeiter*innen, die armen und unterdrückten Völker Afrikas und des Nahen Ostens appelliert, sich dem Kampf gegen Kapitalismus und Diktatur anzuschließen, wäre eine große Inspirationsquelle für die Millionen von Menschen, die mit Angst den sich entfaltenden Kampf zwischen Revolution und Konterrevolution im Sudan verfolgen.

Die Zukunft der sudanesischen Revolution ist nach wie vor ungewiss. Das politische Vakuum, das sich aus der Abwesenheit einer Massenpartei, die Arbeiter*innen und das revolutionäre Volk hinter einem klaren Programm vereinen und einen entscheidenden Weg nach vorne weisen könnte, ergibt, belastet die Bewegung schwer. Berichte über Spannungen und Zusammenstöße zwischen den sudanesischen Streitkräften und der RSF deuten darauf hin, dass die Situation sehr unübersichtlich werden könnte, wobei Elemente eines Bürger*innenkrieges Gestalt annehmen könnten und sogar die Möglichkeit eines „Putsches innerhalb des Putsches“ besteht. Ebenfalls denkbar sind auch schwerwiegendere Zusammenstöße zwischen verschiedenen bewaffneten Gruppen und Milizen, die jeweils um die Kontrolle kämpfen. Das letzte Wort der revolutionären Bewegung ist allerdings noch nicht gesprochen, und es ist die Pflicht aller Sozialist*innen, Gewerkschafter*innen und linken Aktivist*innen auf der ganzen Welt, diesen Kampf nach Kräften zu unterstützen, und zu helfen, ihn zu einem erfolgreichen Ergebnis zu führen.

 

Forderungen der „Socialist Alternative Sudan“:

 

  • Sofortige Mobilisierung zur Verteidigung der sudanesischen Revolution – für einen umfassenden, landesweiten Generalstreik gegen den Militärrat!
  • Für massenhafte und demokratisch organisierte Selbstverteidigung der Revolution: Aufbau von Streikaktionen und Verteidigungskomitees an allen Arbeitsplätzen, auf allen Straßen und in allen Stadtteilen. Auflösung und Entwaffnung der Rapid Support Forces (RSF) und aller Milizen des Regimes.
  • Verteidigung aller demokratischen Rechte, Freilassung aller politischen Gefangenen und der in den letzten Tagen verhafteten Personen.
  • Sturz des Militärregimes, Verhaftung der TMC-Führer – für eine Regierung der Arbeiter*innen und Armen auf der Basis von Volkskomitees.
  • Für das Recht des sudanesischen Volkes, seine eigene Zukunft zu bestimmen. Nein zur Einmischung und Intervention in die Angelegenheiten des Sudans durch internationale und regionale Mächte.
  • Entsorgung des Militär- und Sicherheitsbudgets – für ein Programm massiver öffentlicher Investitionen in Infrastruktur, Gesundheit, Arbeitsplätze und Bildung.
  • Verstaatlichung unter Arbeiter*innenkontrolle aller Unternehmen und Vermögenswerte, die alten Regimeangehörigen, Militär- und Sicherheitsbeamt*innen gehören.
  • Solidarität der internationalen Arbeiter*innenklasse mit der sudanesischen Revolution – kein Vertrauen in die Afrikanische Union, die Europäische Union und andere imperialistische Institutionen und Regierungen.
  • Nieder mit Kapitalismus, Ausbeutung und Krieg! Sofortige Rückführung aller sudanesischen Truppen aus dem Jemen!
  • Für einen freien, demokratischen und sozialistischen Sudan, in Anerkennung des Rechts auf Selbstbestimmung für alle unterdrückten Nationalitäten und ethnischen Gruppen.

 

Der Wahnsinn des Kapitalismus

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23.5.2018

Der Wahnsinn des Kapitalismus: Wir arbeiten grad am nächsten Vorwärts, im Schwerpunkt geht es um Imperialismus und die wachsende Kriegsgefahr. Dazu passend verschickt die schwedische Regierung an...mehr