Kein Geld für Rechtsextreme!

Philipp Fleischmann

Weit über eine Mio. Schilling Steuergelder werden alljährlich über den Stadtschulrat für Wien an den „Ersten Wiener Turnverein“ überwiesen. Dieser ist Mitglied des rechtsextremen Österreichischen Turnerbundes (ÖTB), der sich auf seinen Beitrittsformularen zum „’Deutschen Turnen’ Friedrich Ludwig Jahns“, zur Erfassung von „Körper, Geist und Seele“ des Menschen bekennt und „in den Österreichern mit deutscher Muttersprache Angehörige der deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft“ sieht. Offensichtlich war es 1978 dem Stadtschulrat und dem Unterrichtsministerium lieber, diesem Verein 3,7 Mio. Schilling zur Renovierung seiner Räumlichkeiten zu überschreiben und von da an 70% seiner Betriebskosten zu übernehmen, als für das GRG Rahlgasse, das GRG Wiedner Gürtel und die HTL Argentinierstaße einen geeigneten Turnsaal zu errichten, der langfristig wahrscheinlich weit billiger gekommen wäre.
Nach außen hin hüllt sich der ÖTB in ein seriöses Mäntelchen. Penibel wird in der von diesen Schulen benutzten Halle in Wien 4, Schleifmühlgasse darauf geachtet, daß Deutschlandfahne und Wimpel von „Gau-Turnfesten“ nicht in unmittelbarer Umgebung der turnenden SchülerInnen ausgestellt werden. Auch die „Bundesturnzeitung“ des ÖTB liegt nicht offen auf. Laut einem Gerichtsurteil (LG f. Strafsachen Wien, 6.10.1980) schreibt diese zuweilen im „Originalwortlaut nationalsozialistischer Propagandaliteratur“ über die „Kriegserklärung des Weltjudentums an Deutschland“ und den „heroischen Opfergang der Waffen-SS“ und stellt Führungsfiguren des NS-Regimes in einem „positiven Licht“ dar.

Rechte Propaganda im Turnsaal

Das vertretene Gedankengut ist aber auch in dieser Halle zu bemerken - Beitrittsformulare und andere Schriftstücke tragen eindeutige Slogans (siehe oben), und die Hausfassade ist mit dem Spruch „Dem Deutschen kann nur durch Deutsche geholfen werden, Fremde Helfer bringen uns immer tiefer ins Verderben“  verziert. Und genau darin besteht die Gefährlichkeit des ÖTB: Unpolitische Jugendliche kommen über permanente subtile Beeinflussung durch sogenannte „Dietwarte“ (=ideologischer ÖTB-Kader) in den Dunstkreis von Deutschnationalismus und Rechtsextremismus.

Widerstand regt sich!

Jetzt haben wir SchülerInnen der Rahlgasse, unterstützt von Jugend gegen Rassismus in Europa (JRE), begonnen, uns dagegen aufzulehnen, daß jährlich weit über eine Millionen Schilling Steuergeld an diesen rechtsextremen Verein bezahlt werden - und stießen auf beträchtliches Medieninteresse. Die Reaktion auf die zahlreichen Berichte zeigte wieder einmal, wie tief der Turnerbund im rechtsextremen Sumpf steckt: Ein gewisser Helmut Hornberg, seines Zeichens Mitglied bei der berüchtigten Burschenschaft Olympia und früher „im Mittelpunkt des Südtirolterrors“ stehend (vgl. HB d. Rechtsextremismus, S. 271, 1996), erstattete Anzeige - und zwar nicht etwa gegen uns, die Initiatoren der Kampagne, sondern die Direktorin der Schule! Sie habe seiner Meinung nach durch „Nötigung“ die SchülerInnen zu dieser Aktion gedrängt (Anzeige vom 13.2.1998). Offensichtlich ist für ein rechtsextremes Gehirn nicht denkbar, daß Jugendliche sich (z. B. bei JRE) organisieren und ohne oder sogar gegen den Befehl von oben ernstzunehmende Aktionen setzten. Auch Stadtschulratspräsident Dr. Kurt Scholz konnte das nicht glauben - und schrieb, er höre, daß die „Schulgemeinschaft“ den ÖTB-Saal nicht mehr benützen wolle. Wie selten kommt es in Österreich vor, daß Jugendlich sich wehren, wenn in so einem Fall sofort geheimnisvolle Mächte hinter den Protestierenden vermutet werden? Offensichtlich protestieren wir Jugendliche, ArbeitnehmerInnen und sozial Schwache viel zu wenig, wenn ein längst notwendiger Aufschrei wie dieser offensichtlich unglaublich und noch nie dagewesen erscheint.

Es geht weiter ...

Kurt Scholz entwickelte eine sehr praktische Strategie, sich aus dem Problem herauszuhalten. Er fädelte ein, daß wir Unruhegeister aus der Rahlgasse ab Ostern den ÖTB-Turnsaal nicht mehr benützen werden. Das führt nicht zur Kündigung des Vertrags (andere Schulen turnen auch dort), klingt aber gut bei Journalisten und birgt eine Gefahr für unser Anliegen:
Da der Stadtschulrat sich außerstande sieht, bis dahin einen Ersatzturnsaal aufzutreiben, könnten sportbegeisterte SchülerInnen von unserem Projekt abspringen. Nicht aber in der Rahlgasse! In den letzten Tagen wurde begonnen, in den Klassen über einen Boykott ab jetzt und nicht erst ab Ostern abzustimmen. Bisher hat sich keine einzige Klasse gegen den Boykott ausgesprochen! Im Gegenteil - wir fordern um so vehementer:

  • Keine Gelder an rechtsextreme Vereine wie den ÖTB!
  • Lösung aller solcher Verträge!
  • Statt dessen die Verwendung öffentlicher Gelder zur Schaffung von Freiraum und Sportmöglichkeiten für die Jugend!
Erscheint in Zeitungsausgabe: 

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