Jugend im Burnout

Stefan Brandl

Das Sozialministerium schreibt 2017, dass 8% der Befragten unter Burnout leiden und 36% unter einer Vorstufe. Besonders hoch ist der Wert bei unter 30-jährigen: Drei von zehn Lernenden sind akut burnoutgefährdet. 

Während man sich gern auf Fotos mit Kindern umgibt, intensiviert die Regierung den Druck auf Lernende weiter. In Volksschulen wird ab 2019 die Notenskala verpflichtend eingeführt und alternative Bewertungsmethoden verlieren jede Bedeutung. Für die Wahl der Unterstufe ist das Zeugnis der Volksschule entscheidend.

Auch wurde in den vergangenen Jahren der Lehrplan erweitert, ohne Wochenstunden und Lehrpersonal aufzustocken. Die Aufhebung oder Erhöhung der Klassenschülerhöchstzahl führt zu überfüllten und lauten Klassen, was eine zusätzliche Belastung darstellt. An AHSen fallen außerdem die vorwissenschaftliche Arbeit und damit sich ständig ändernde Richtlinien an.

2019 werden weitere Universitäten und Studienrichtungen Zugangsbeschränkungen einführen. Parallel zur Maturavorbereitung muss so für den Aufnahmetest an einer Universität gelernt werden. Ist man aufgenommen, üben Studiengebühren und Voraussetzungsketten weiter Druck aus.

Es gibt keinen Zeitpunkt in der (Aus)Bildung, der nicht von Stress, Zukunftsängsten oder Leistungsdruck geprägt ist. Kinder bekommen von klein auf mit, dass man nur schwer einen Job bekommt. Wer bessere Noten hat und schnell fertig ist, hofft die Chancen zu vergrößern. Dazu kommt auch v.a. durch die FPÖ die ideologische Offensive gegen eine angebliche „Kuschelpädagogik“. Disziplin, Zucht und Ordnung sollen die fehlenden Lehrer*innen und Schulpsycholog*innen ersetzen. Das Prinzip „Nur die härtesten kommen durch“ führt zu Burnout, aber nicht zu besserer Leistung.

Faktoren wie finanzielle Belastung durch Nachhilfe (25% der Lernenden), familiäre Belastung (37% der Eltern sind mit Lernenden überfordert) sowie größer werdender Personalmangel an Bildungseinrichtungen sind die materielle Grundlage für die oben genannten Probleme.

Kurzfristig braucht es mehr Ressourcen, aber langfristig braucht es ein bedürfnisorientiertes Bildungssystem mit individueller Talenteförderung und demokratischer Mitsprache der Lernenden: Ein Schulsystem ohne Burnouts kann nur durch die Beseitigung des Kapitalismus realisiert werden.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Der Wahnsinn des Kapitalismus

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23.5.2018

Der Wahnsinn des Kapitalismus: Wir arbeiten grad am nächsten Vorwärts, im Schwerpunkt geht es um Imperialismus und die wachsende Kriegsgefahr. Dazu passend verschickt die schwedische Regierung an...mehr