So 15.02.2009
Island, als Kleinstaat im hohen Norden bisher den Medien kaum einer Erwähnung wert, befindet sich seit einigen Monaten in aller Munde. Grund dafür sind die horrenden Auswirkungen der Finanzkrise auf den Inselstaat. Was Europa und die USA noch mit aller Gewalt abzuwenden versuchen, ist dort bereits Realität geworden: drohender Staatsbankrott, Währungsverfall und steigender Armut.
Privatisierung positiv?
Erst 2003 wurden Islands Banken erstmalig privatisiert. Mit der daraus resultierenden Teilnahme am Weltmarkt katapultierte sich der Zwergstaat binnen weniger Jahre in die ‚Hall of Fame' des Kapitalismus. Island wurde oft und gerne als bestes Beispiel für das Funktionieren des Kapitalismus genannt, stand im HDI (Human Development Index) weltweit an erster Stelle und auch der Lebensstandard der Bevölkerung stieg.
Da die Banken während dem Boom großzügige Zinssätze vergaben, war Island auch bei InvestorInnen aus dem Ausland sehr beliebt. SpekulantInnen nahmen in Niedrigzinsländern (zB. Japan) Kredite auf, die sie dann auf isländische Konten legten, um so durch den Unterschied der Zinssätze Gewinne zu machen.
Und auch die IsländerInnen selbst hatten in dieser Zeit vollstes Vertrauen in die Banken und in ihre Währung, die isländische Krone: rund 10% der 300.000 Menschen umfassenden Bevölkerung besaß Aktien der Banken, etwa ebenso viele nahmen Fremdwährungskredite auf.
Die Krise trifft die Bevölkerung hart
Doch die Wirtschaftskrise machte dem Ganzen ein Ende. Die Banken, die während dem Boom Millionenkredite vergaben, kamen ins Straucheln. Die isländische Krone verlor dramatisch an Wert. Dadurch, und aus Angst vor einem Zusammenbruch, zogen mehr und mehr ausländische Investoren ihr Geld aus Island ab. Der Verlust dieser Gelder versetzte den isländischen Banken schließlich den Todesstoß. In den letzten Monaten wurden die drei größten Banken, zuerst Glitnir, dann Landsbanki und Kaupthing, verstaatlicht. Doch der Buchwert dieser drei Banken überstieg das Bruttoinlandsprodukt Islands um ein Vielfaches, wodurch die Staatsgarantien für die Banken den Inselstaat in den Bankrott trieben. Die Aktien der Banken wurden wertlos, auch die meisten Pensionsfonds sind stark betroffen. Nicht nur für die rund 30.000 Isländer, die Fremdwährungskredite aufgenommen haben, ist der Verfall der Krone eine absolute Katastrophe. Genauso gilt das für die tausenden polnischen Arbeiter in der isländischen Fischereiindustrie, deren Ersparnisse sich nun in Nichts auflösen.
Auch die Arbeitslosigkeit ist rapide angestiegen: Gab es 2007 eine annähernde Vollbeschäftigung (1% Arbeitslose), so ist die Arbeitslosenrate allein im Oktober um die Hälfte gestiegen und Ende Jänner wird mit 6-7% Arbeitlosigkeit gerechnet.
Kaptialismus ist nicht die Lösung!
Der Kleinstaat hat sich nun gewandelt: vom kapitalistischen Musterschüler zur kapitalistischen Katastrophe. Mehr noch: Er führt uns vor, wie tief die Krise sich auch hierzulande entwickeln kann; etwa wenn hier die Staatsgarantien für die Banken schlagend werden sollten. Diese Krise ist – weder in Island noch global betrachtet – letztlich kein Unfall, sondern die zwingende Folge des Kapitalismus.
