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Sozialistische LinksParteiösterreichische Sektion des Komitees für eine ArbeiterInneninternationale (CWI) |
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08.04.2010Türkei: ArbeiterInnenbewegung im Aufbruch...Kategorie: Arbeitskämpfe, Türkei/KurdistanStreiks bei Tekel im öffentlichen Dienst bedeuten WendepunktIn der Türkei gibt es ein großes Comeback der Gewerkschafts -und ArbeiterInnenbewegung. Davon hört man bei uns sehr wenig. Von der "Qualitätszeitung" bis zum Privatfernsehen, alle bürgerlichen Medien zeichnen lieber das Bild von der Türkei als rückständige Gesellschaft mit reaktionären ungebildeten Massen. Dieses Bild ist falsch.Tatsächlich könnten viele Kämpfe in der Türkei Vorbild für die österreichische ArbeiterInnenbewegung sein. MigrantInnen aus der Türkei sind heute ein wichtiger Bestandteil der österreichischen ArbeiterInnenklasse. Vor allem TürkInnen und KurdInnen mit linkem Background spielen in manchen Betrieben eine wichtige politische Rolle. Umso bedauerlicher ist es, dass sie in der Gewerkschaftsbewegung komplett unterrepräsentiert sind. In einer neuen linken ArbeiterInnenpartei werden MigrantInnen eine wichtige Rolle spielen. Neben der Erfahrung aus sozialen Bewegungen in Österreich werden die aktuellen Kämpfe in der Türkei ein zentraler Ansatzpunkt sein. Umso wichtiger ist es, aus den Kämpfen in der Türkei zu lernen. Tekel Streik als WendepunktNach der Privatisierung bei Tekel versprach Premierminister Erdogan die Weiterbeschäftigung der (defacto staatsangestellten) TekelarbeiterInnen in verschiedenen Teilen des öffentlichen Dienstes. Aber statt das Versprechen einzuhalten, sollten die ArbeiterInnen sich dafür entscheiden, unter den Bedingungen eines neuen Gesetztes "C4" zu arbeiten. "C4" bedeutet Arbeitseinsatz in verschiedenen (meist kommunalen) Betrieben mit rund zwei Drittel des alten Tekellohns. Und das für nur zehn Monate im Jahr. Die ArbeiterInnen würden fast die Hälfte weniger verdienen und eine Reihe an sozialen Rechten (etwa eine Abfertigung) verlieren. Daraufhin entbrannte ein langer Arbeitskampf, der unter anderem die Errichtung einer großen Zeltstadt für 77 Tage in der Innenstadt von Anakra bedeutete. Die Zeltstadt versorgte täglich tausende Menschen und war bestens organisiert. Beeindruckend war vor allem der Zusammenhalt von KurdInnen, TürkInnen LarsInnen und TscherkesInnen, sowie religiösen und nichtreligösen ArbeiterInnen. Alle Spaltungen der türkischen ArbeiterInnenklasse wurden während des Arbeitskampfes überwunden. Es gab eine enorme politische Weiterentwicklung. Viele ArbeiterInnen waren vor dem Streik AKP-AnhängerInnen. Die Enttäuschung über die AKP und die Gewerkschaften förderte die Suche nach einer linken politischen Alternative. Außerdem nutzten die ArbeiterInnen in den Zelten die Zeit für Debatten, Aussprachen mit linken Gruppen und zum Lesen. Der Kampf geht immer noch weiter. Schon bald könnten die KollegInnen von Tekel Verstärkung von anderen Teilen der ArbeiterInnenklasse erhalten. Wirtschaftskrise und PrivatisierungswahnDer Kampf der Tekel-Beschäftigten findet vor dem Hintergrund der weltweiten Wirtschaftkrise einerseits und einer intensiven Privatisierungswelle in der Türkei in den letzten Jahren andererseits statt. *Anmerkung: Dieser Teil des wurde einem Artikel von Neli Tügel (SAV-Berlin) aus der aktuellen Ausgabe von sozialismus.info entnommenFür eine linke Alternative zu Kemalismus und AKPDer türkischen ArbeiterInnenklasse fehlt insgesamt eine politische Vertretung - auch das hat der Tekelstreik (erneut) gezeigt. Das bedeutete, dass das Vakuum auf der Linken in kurzer Zeit extrem groß werden wird. Die türkische Linke kämpft mit mehreren Problemen. Es gab auch in der Geschichte nie eine ArbeiterInnenmassenpartei in der die ArbeiterInnenklasse Erfahrungen sammeln hätte können, wie man sich selbstständig organisiert. Bei uns erfüllte diese Funktion z.B. lange Zeit die Sozialdemokratie. Lange definierte sich ein Teil des Kemalismus als soetwas Ähnliches wie eine soziale ArbeiterInnenpartei. Da aber derartige legale Strömungen immer an der längeren oder kürzeren Leine des Militärs hingen, war die türkische Linke stets in legale und illegale Flügel geteilt. Auch beim letzteren, "radikalen" Flügel existieren einige Besonderheiten. Teile der türkischen Gesellschaft sind stark landwirtschaftlich geprägt. Das führte in den 70ern unter radikaleren Teilen zu einer massiven Unterstützung des Maoismus und der Orientierung an China. Auch durch den Militärputsch 1980 - der lange Zeit die legale Aktion fast unmöglich machte - hat sich diese Tendenz verstärkt. Viele traditionelle KP AnhängerInnen wandten sich maoistischen Guerilliabewegungen zu. Die traditionelle radikale Linke zerfiel in unzählige Splittergruppen. Politische Schlussfolgerungen aus der Niederlage gegen das Militär und dem Zusammenbruch des Stalinismus - im Sinne einer genauen Analyse - werden hier bis heute kaum gezogen. So führen nicht wenige den Zusammenbruch des Stalinismus lediglich auf den "Verrat" Gorbatschows zurück. Ein anderer Teil (etwa die ÖDP) orientiert sich an der Europäischen Linken und tritt vorsichtig reformistisch und für eine "vereinte Linke" auf. In der Praxis unterscheiden sich Gruppen wie die ÖDP wenig von den Grünen in Europa. Kaum eine linke Bewegung ist in der Lage, den aufflammenden sozialen Kämpfen eine politische Perspektive zu geben. Im Tekelstreik gab es unzählige Gruppen die mit praktischer (und erwünschter) Hilfe und viel ultralinker Rethorik vor Ort waren. Viele versuchten, AnhängerInnen zu gewinnen. Vorschläge, wie der Tekelstreik zu einem erfolgreichen Ende gebracht hätte werden können, gab es kaum. Kommentar? Mail an slp(at)slp.atDieser Artikel stammt aus dieser Ausgabe der Zeitung Vorwärts |
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