Wer ist diese Arbeiter*innenklasse?

Arbeiter*innenklasse: Keine romantische Kategorie, sondern Trägerin gesellschaftlicher Veränderung.
Kimija Valadbeigi

Immer wieder fällt der Begriff „Arbeiterklasse“ in Zusammenhang mit Klassenkämpfen. Von den USA nach Myanmar, rauf nach Südkorea und zurück nach Österreich kam es in den letzten zwei bis drei Jahren zur Zunahme von Klassenkämpfen. Doch was ist diese Arbeiter*innenklasse und wer gehört zu ihr? Existiert diese Arbeiter*innenklasse noch und wenn ja, welche Rolle spielt sie in der heutigen Gesellschaft?

Oft wird der Begriff „Arbeiter“ mit starken, großen Männern, welche in einer Fabrik arbeiten in Verbindung gebracht. Jedoch traf und trifft dieses Bild damals und auch heutzutage nicht auf die Arbeiter*innenklasse zu! Die Klasse der Arbeiter*innen war weder damals, noch heute homogen. Sie ist die größte und gleichzeitig einheitlichste wie auch vielschichtigste Klasse.

„Das Proletariat ist die diejenige Klasse der Gesellschaft, welche ihren Lebensunterhalt einzig und allein aus dem Verkauf ihrer Arbeit und nicht aus dem Profit irgendeines Kapitals zieht …“ schrieb Friedrich Engels 1847 in “Die Grundsätze des Kommunismus”. Unter dem Begriff „Arbeiter*innenklasse“ verstehen wir Marxist*innen alle Menschen, die außer ihrer eigenen Arbeitskraft nichts anderes zu verkaufen haben. In anderen Worten gesagt, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um ihre Miete und Nahrung bezahlen zu können. Im Gegensatz dazu können Unternehmer*innen - Kapitalist*innen - andere für sich arbeiten lassen und besitzen Kapital. Beispielsweise gehören Personen, die in einer Computerfirma arbeiten müssen, um genügend Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen, zu der Arbeiter*innenklasse. Sie sind also auf ihren monatlichen Gehalt angewiesen. Auch deine Verkäuferin im Bipa, der Kellner im Stammlokal, die TU-Studentin, aber auch die Professorin, deine Hausärztin und der ÖBB-Schaffner zählen dazu. Personen, die in der Vergangenheit arbeitstätig waren (und jetzt arbeitslos oder in Pension sind) und in der Zukunft arbeitssuchend sein werden (Schüler*innen, Studierende, Lehrende) zählen ebenfalls zu dieser Klasse. Somit wird klar, dass die Arbeiter*innenklasse nichts Antiquarisches aus der Vergangenheit ist, sondern Realität und Gegenwart!

Menschen, die beispielsweise eine große Computerfirma besitzen, gehören nicht zur Arbeiter*innenklasse. Mit dem Besitz einer Firma kommt auch der Besitz von Produktionsmitteln wie die Maschinen, genügend Platz, ausreichende Rohstoffe bzw. geschütztes Wissen (Patente). Somit müssen diese Menschen nicht ihre eigene Arbeitskraft verkaufen, um im Gegenzug Geld zu bekommen um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können.

Die Arbeiter*innenklasse hat gemeinsame Interessen wie höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und Sozialstaat, die im Gegensatz zu den Interessen der herrschenden kapitalistischen Klasse stehen. Doch sie ist auch sehr vielschichtig mit den verschiedensten Religionen, Ethnien und Sexualitäten. Und hier versucht die herrschende Klasse, also die Kapitalist*innen, die Arbeiter*innenklasse gezielt mit Hilfe von Spaltungsmechanismen wie Sexismus und Rassismus zu spalten. Teile und Herrsche ist das Prinzip. Auch die gezielte Trennung von Angestellten und Arbeiter*innen gehört dazu. In Österreich verdienen Angestellte meistens mehr Geld und stehen in der Gesellschaft besser da als Arbeiter*innen. Arbeitsrechtliche Unterschiede ändern aber nichts daran, dass auch Angestellte zur Arbeiter*innenklasse gehören. Solche Spaltungsmechanismen dienen dazu, die Einheit - und damit die Kampfkraft - der Arbeiter*innenklasse - zu schwächen.

Die Rolle und Arbeit der Arbeiter*innenklasse hält das ganze Wirtschaftssystem am Laufen und produziert den Reichtum der Gesellschaft. Sie “geben” ihre Arbeitskraft, die die Grundlage für die Profite der Kapitalist*innen ist. Sie haben das Wissen, um z.B. die Klimakrise in den Griff zu bekommen. Wer wirklich wichtig ist, wurde ganz klar in der Corona-Pandemie bestätigt. Nichts geht ohne die Arbeit der Arbeiter*innenklasse. Aus diesem Grund hat die Arbeiter*innenklasse nicht nur ein Interesse am Ende der kapitalistischen Ausbeutung, sondern ist auch die einzige Klasse, die den Kapitalismus endgültig beseitigen und ein ganz anderes System aufbauen kann. Ein sozialistisches System, das sich an den Bedürfnissen aller und nicht an den Profiten weniger orientiert. 

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