Was kommt nach den Schüssen von Genua?
Genua, 20. Juli 2001: Ein Demonstrant wird von einem Polizisten erschossen. ArbeiterInnen und Jugendliche auf der ganzen Welt hielten den Atem an, als die Nachricht von der Erschießung von Carlo Giuliani um Welt ging. Doch, wie die 200.000 auf Genuas Straßen am Tag darauf zeigen, sie lassen sich nicht einschüchtern.
Harald Mahrer, SLP Wien-Nord
Die herrschende Klasse hat ihre Taktik gegenüber der Bewegung verändert, sie versucht mittels brutaler Repression und Kriminalisierung der Bewegung wieder Herr zu werden. Der Tod von Carlo Giuliani ist kein Zufall, er ist Produkt einer gezielten Strategie, die erstmals in Göteborg zum Einsatz kam. Europas Herrschende setzen auf Eskalation.
Eskalation ist Strategie
In Göteborg, Salzburg, Barcelona und Genua, überall bot sich das selbe Bild. Zuerst wird via Medien wochenlang eine Hysterie angesichts angeblich geplanter Krawalle ausgelöst. Als nächster Schritt wird die betreffende Stadt in einen Kriegsschauplatz verwandelt. Stacheldrahtverhaue, meterhohe Schutzwälle werden aufgebaut, die Städte von tausenden Polizisten besetzt. Im Vorfeld der Demonstrationen beginnen die direkten Angriffe auf die DemonstrantInnen. Hausdurchsuchungen in den Organisationszentralen, Festnahmen ohne Angabe von Gründen, Perlustrierungen, Beschimpfungen, usw. Das Klima wird aufgeheizt.
Massive Polizeiprovokation
Die Demonstrationen selbst werden dann grundlos angegriffen. Schließlich muss eine Rechtfertigung für den Belagerungszustand her. In Göteborg wurde die Demo von der Polizei mit Schlagstöcken angegriffen eine Stunde bevor der erste Stein geworfen wurde. Dieser erste Stein flog dann aus den Reihen eingekreister DemonstrantInnen, die eine Stunde lang Beschimpfungen und Prügel über sich ergehen ließen. Schon Stunden zuvor wurde die Organisationszentrale und die Schlafstätten mehrer hundert DemonstrantInnen von der Polizei umstellt, DemonstrantInnen verprügelt. All das auf der Suche nach Waffen und Terroristen. Gefunden wurde nichts.
Krawalle von Polizei ausgelöst
In Genua setzten die Angriffe auf die friedliche Massendemonstration ein, während einige hundert Jugendliche andernorts ungehindert Schaufensterscheiben einschlugen und Autos in Brand setzten. Sowohl in Göteborg als auch in Genua mehren sich die Hinweise, dass die Krawalle maßgeblich von Polizeispitzel angezettelt wurden.
Beginn einer neuen Periode
Die Herrschenden der Welt sehen sich bereits vor dem vollen Einsetzen der Weltwirtschaftskrise, für deren baldiges Eintreten sich die Zeichen in den letzten Monaten dramatisch mehren, mit einer verallgemeinerten Bewegung gegen die Allmacht des Kapitals konfrontiert. Zu dieser internationalen Bewegung in den entwickelten Ländern kommt eine Reihe von Aufständen und Revolten in der exkolonialen Welt: in Ecuador, in Bolivien, in Indonesien, auf den Phillipinnen, in Zimbabwe,...
All das markiert das Ende des Thriumphzuges des Kapitalismus, den die Herrschenden nach dem Zusammenbruch des Stalinismus abgefeiert haben.
Am Vorabend der Rezession versuchen die Herrschenden nun mittels brutaler Repression das Aufkeimen eines "neuen Mai 1968", wie es der französische Finanzminister in einem Interview nach den Ereignissen von Genua nannte, zu verhindern. Die sich entwickelnde Bewegung soll von den Massen der ArbeiterInnen, die die Hauptlast der Krise abbekommen sollen, abgekapselt werden. Das wird nicht gelingen. Auch die mächtige Bewegung der französischen ArbeiterInnen im Mai 1968 wurde von massiver Polizeigewalt gegen Jugendliche ausgelöst.
Bewegung vor der Entscheidung
In den Medien setzt nun die Debatte ein, doch mit friedlichen DemonstrantInnen zu verhandeln und gegen die Gewalttäter hart vorzugehen. Damit soll versucht werden, die Bewegung zu spalten. Teile der intellektuellen Führung der Bewegung scheinen darauf auch bereits anzuspringen. Doch mit Verhandlungen wird nichts zu erreichen sein. Mit Demonstrationen alleine allerdings auch nicht. Die Bewegung muss versuchen, die Brücke zu den Kämpfen der ArbeiterInnenklasse zu schlagen.
Während durch Krawalle wie in Genua der Gipfel nicht verhindert werden konnte, könnten durch Streiks in den Tagungsorten die Gipfel unmöglich gemacht werden. Darüber hinaus würde die Wirtschaft da getroffen, wo es wirklich schmerzt - bei ihren Profiten. Die Kosten für die Wirtschaft wären ungleich höher als selbst mit den ärgsten Straßenkämpfen je verursacht werden könnten.
Nächste Station: Brüssel
Im Dezember beraten in Brüssel die EU-Spitzen über die Festung Europa. Bereits jetzt laufen die Vorbereitungen für die Gegenmobilisierungen. Sei auch du dabei. Infos und Anmeldungen unter: 01- 524 63 10
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