Peter Taaffe: Rechter Terror in Argentinien:
Bewaffnet die ArbeiterInnen gegen die Reaktion (1974)
Erstmals erschienen im November 1974 in Militant (jetzt: The Socialist), Wochenzeitung der Socialist Party, britische Sektion des CWI
Ein paar Monate vor seinem Tod am 1. Juli sprach Perón über die Herausforderung seiner Regierung durch die revolutionäre Bewegung der ArbeiterInnen und BäuerInnen und erklärte einer Delegation der Jungen PerónistInnen: "Wenn wir nicht das Gesetz haben, werden wir es außerhalb des Gesetzes machen und es gewaltsam machen." Mit "es" meinte Perón die gewaltsame Beseitigung dieser Gefahr für sich und die Kapitalisten und Grundherren, zu deren Verteidigung sein Regime an die Macht gebracht worden war. Perón erlebte es nicht mehr, dass aus seinen Worten Taten wurden. Aber Isabel Perón, seine Witwe und die gegenwärtige Präsidentin Argentiniens, übererfüllt seine Vorhersage.
In den letzten paar Monaten stand sie einer zügellosen Herrschaft des Terrors vor, der gegen die ArbeiterInnen, Studierenden und selbst Liberalen losgelassen wurde. Seit Peróns Tod haben über 130 politische Morde stattgefunden - im September gab es alle 19 Stunden einen solchen Mord.
Die meisten Opfer waren linke GewerkschafterInnen, StudentenführerInnen, linke Junge PerónistInnen und MarxistInnen. Viele ArbeiterführerInnen wurden ermordet, manche in Gewerkschaftsgebäuden.
Der Täter bei der Masse dieser Verbrechen ist die 'Argentinische Antikommunistische Allianz' (AAA). Die kapitalistische Presse hat berichtet, dass die AAA Polizeiausweise verwendet hat, um in Gebäude der Arbeiterorganisationen hineingelassen zu werden.
Das würde keine Schwierigkeit machen, da es offensichtlich ist, dass die AAA die Polizei - die 'gewöhnlichen' und politischen Abteilungen - unter einem anderen Namen ist! Es ist klar, dass diese faschistischen Verbrecher die Unterstützung von Isabel Perón und ihrer Regierung haben.
So gab der verhasste Lopez Rega - ihr engster Berater - kürzlich durch die Wochenzeitung 'Semana Politica' den furchtbaren Morden der AAA seinen Segen:
"Wir wissen nicht, wer die drei As sind, aber es ist offensichtlich, dass ihre Tätigkeit in den letzten paar Tagen die Führung der linksextremen Gruppen entwaffnet hat." (Zitiert im englischen Guardian/Le Monde Weekly, 26. 10. 1974)
Abgesehen von den Morden hat die AAA 'Todeslisten' veröffentlicht und gefordert, dass die, deren Namen auf den Listen standen, das Land verlassen sollten oder ermordet würden.
Diese Listen haben Kongressabgeordnete umfasst, die nicht 'auf richtige Weise' stimmen, FilmproduzentInnen, SchauspielerInnen und SportlerInnen wie der Boxer Carlos Monzon. Ein Kongressabgeordneter zog mit seiner ganzen Familie ins Kongressgebäude, um Schutz zu finden.
Der Polizei- und Staatsterror gegen die Arbeiterorganisationen ist der Höhepunkt einer stürmischen revolutionären Periode, die der Rückkehr Peróns nach 18 Jahren Exil voranging und folgte. Die argentinische herrschende Klasse beschloss, Perón wieder an die Macht zu bringen, um dadurch die gewaltige revolutionäre Bewegung der Arbeiterklasse in den letzten sechs Jahren zu kontrollieren. Diese Periode hat eine beispiellose Offensive der ArbeiterInnen und BäuerInnen gegen die Militärdiktatur gesehen.
Die Generäle waren mit Streiks, Generalstreiks und Straßenkämpfen zwischen der Arbeiterklasse und Polizei und Armee konfrontiert. In der großen Industriestadt Cordoba fanden 1969 und 1971 geradezu Aufstände statt. Aber die argentinische Arbeiterklasse stand immer noch unter dem politischen Zauber des exilierten Perón.
Perónismus
Die Erklärung dafür findet sich in der Geschichte des Perónismus und besonders der Periode, als er zwischen 1946 und 1955 an der Macht war.
Seine Regierung in dieser Periode war bonapartistisch - eine Militär- und Polizeidiktatur.
Bonapartismus ist - in den Worten von Karl Marx - eine Regierung der "Herrschaft durch den Säbel", wenn der Staat in der Lage ist, sich über die Klassen und das Parlament zu erheben und eine gewisse Unabhängigkeit zu erlangen, indem er zwischen den Klassen manövriert. Peróns Regime stützte sich auf die ArbeiterInnen und BäuerInnen.
Er leitete wichtige Reformen ein, indem er die Gewerkschaften legalisierte, vom Imperialismus kontrollierte Branchen wie das Transportsystem und Telefon verstaatlichte. Er führte auch eine Bodenreform ein. Diese Maßnahmen versetzten den Grundherren und Kapitalisten zwar Schläge, ließen ihre Macht aber intakt.
Letztlich fürchtete er die Bewegung der Massen mehr als die Opposition der Kapitalisten und Grundherren, die er vertrat. Dies zeigte sich klar an seiner Weigerung in der Periode vor seinem Sturz 1955, die Massen zu bewaffnen, als es offensichtlich war, dass die Generäle einen Putsch vorbereiteten.
Perón war nur wegen der weltwirtschaftlichen Lage, die dem Zweiten Weltkrieg folgte, in der Lage, diese Reformen einzuleiten - es gab einen Markt für Argentiniens Fleisch, Weizen, Holz etc., bei dem die Verkäufer am längeren Hebel saßen. Trotzdem sind die Erinnerungen an diese Reformen in den Erinnerungen der argentinischen Arbeiterklasse eingemeißelt und sorgten für die Massenunterstützung für den Perónismus.
Aber die Lage, die seiner Rückkehr vorausging, war völlig anders. Argentinien wurde von schweren wirtschaftlichen und politischen Problemen und bitteren Spaltungen zwischen den Klassen ruiniert, die sich innerhalb der perónistischen Bewegung selbst widerspiegelten.
Unter dem Druck der revolutionären Aufwallung war die Militärjunta gezwungen, Wahlen zum Präsidentenamt zuzugestehen, in denen im März letzten Jahres der 'offiziell genehmigte' Kandidat Hector Campora gewann.
Dies wurde von den Massen als Signal für eine Offensive aufgefasst. Betriebe, Radiostationen, Universitäten, Schulen, selbst Krankenhäuser und andere Arbeitsstätten wurden von den ArbeiterInnen besetzt. Die BäuerInnen und landlosen LandarbeiterInnen forderten laut eine Bodenreform, die die Macht der legendären 200 Familien beseitigen würde, die 40% des Landes besitzen.
Die Massen selbst versuchten, Camporas Programm umzusetzen. So versprach Campora eine Amnestie für politische Gefangene. Am 26. Mai versammelten sich 50.000 ArbeiterInnen und StudentInnen vor dem Villa-Devoto-Gefängnis und forderten die Freilassung eingesperrter ArbeiterInnen.
Am selben Tag wurde eine Amnestie verkündet und 371 politische Gefangene wurden freigelassen! Die Lage war ähnlich den Ereignissen, die der Wahl der Volksfrontregierung in Spanien 1936 folgten.
Die Grundherren und Kapitalisten gerieten in Panik angesichts dieser Bewegung - dem Beginn der argentinischen Revolution. Kaum vier Monate nach der Wahl von Campora wurde Perón aus seinem 18jährigen Exil herbeigekarrt, um als Bremse für die Bewegung der Massen verwendet zu werden.
Aber nicht einmal Peróns 'Magie' konnte die perónistischen ArbeiterInnen mit den perónistischen Grundherren und Kapitalisten versöhnen - und auch nicht die Basis-GewerkschafterInnen mit der bürokratischen Gewerkschaftsführung.
Vom ersten Schritt, den Perón auf argentinischen Boden machte, an begann sich seine Justizialistische Partei entlang von Klassenlinien zu spalten.
Die unüberbrückbare Kluft zwischen den Jungen PerónistInnen - die die Hauptlast des Kampfes gegen die Militärdiktatoren getragen und die meisten der 'perónistischen Märtyrer' gestellt hatten - und den Spitzen der Justizialistischen Bewegung zeigte sich am 20. Juni 1973 bei der Versammlung am Flughafen zur Begrüßung von Perón.
Hunderte von Jungen PerónistInnen wurden von gekauften Gangstern getötet und verwundet. Ihr Verbrechen war gewesen, Sprechchöre für ein 'Sozialistisches Vaterland' zu machen!
Aber die Jungen PerónistInnen erlebten nach Peróns Rückkehr ein spektakuläres Wachstum. Sie organisierten 'Massenfronten' - mächtige Organisationen - unter jungen ArbeiterInnen (JTP), den StudentInnen (IJUP) und SchülerInnen an weiterführenden Schulen (UES).
Perón gab ihre Unterstützung mit "nicht mehr" als 10% der 7 Millionen an, die ihn bei den Präsidentschaftswahlen wählten, also 700.000. Dies stellte eine kolossale Kraft dar, die sehr schnell die argentinische Revolution zum Sieg hätte führen können, wenn sie für ein marxistisches Programm gewonnen und auf dieser Grundlage organisiert worden wäre.
Peróns Rückkehr fiel zwar mit einer günstigen Marktlage für argentinisches Fleisch zusammen, das 25% der Exporte des Landes ausmacht, aber gleichzeitig verbanden sich eine Reihe von Faktoren dazu, sicherzustellen, dass er vor einer grundlegend anderen Lage als in der Nachkriegsperiode stand. Die beiden größten Kunden des Landes, Italien und Großbritannien, kürzten ihren Fleischimport wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten.
Wegen dem System des Landeigentums waren keine dramatischen Steigerung des Viehbestandes oder der Weizenproduktion möglich. Land wurde brach gelassen, weil es für die Großgrundbesitzer gut war. Peróns Regierung wagte nicht, die Macht der Grundherren herauszufordern, die unentwirrbar mit den Kapitalisten verbunden und eine Säule des Regimes waren.
Auf die Forderung der landlosen LandarbeiterInnen nach Bodenreform erwiderten die Großgrundbesitzer scharf: "Sie sind nur herumtrampelnde Elefanten, die nicht denken können." Die Grundherren belieferten in Zusammenarbeit mit Spekulanten den Schwarzmarkt mit Fleisch, weil der Festpreis der Regierung für Fleisch 'zu niedrig' war.
Die Hauseigentümer ließen 150.000 Wohnungen leerstehen als bewusster Missachtung des Gesetzes über die Begrenzung der Mieten. Das war zu einer Zeit, als sich mehr als eine Million ArbeiterInnen in den Slums um Buenos Aires drängten - die treffend 'villas miserias' genannt wurden!
Perón war völlig unfähig, die geweckten Erwartungen der Massen zu befriedigen. Er wurde immer mehr gezwungen, als der offene Vertreter der Kapitalisten und Grundherren zu handeln, während er verzweifelt versuchte, die Bewegung der Massen zu zügeln. Seine früheren demagogischen Angriffe auf den 'Imperialismus' machten bissigen Angriffen auf den 'Linksextremsimus' sowohl innerhalb als auch außerhalb des Perónismus Platz.
Die Fortsetzung der Stadtguerillakampagne von Entführungen, Morden etc. durch die Revolutionäre Volksarmee (ERP) half ihm zweifellos bei der Zügelung der Bewegung der Massen.
Die ERP besteht zweifellos aus aufopfernden Gegnern der argentinischen herrschenden Klasse. Aber der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert! Ihre Methoden haben die Sache der argentinischen Arbeiterbewegung auf keine Weise vorwärtsgebracht.
Im Gegenteil beliefern sie wie die Tupamaros, die den Weg für einen Militärputsch in Uruguay bereiteten, langfristig unabsichtlich die Reaktion mit den Ausflüchten, die sie zur Köpfung der argentinischen Arbeiterbewegung brauchen.
Die ERP hat in der Vergangenheit behauptet, sie würde den Ideen von Leo Trotzki folgen. Aber der russische Marxismus - dessen größte Führer Lenin und Trotzki waren - begann als politische Strömung in dem hartnäckigen Kampf gegen die Vertreter des individuellen Terrorismus.
Sie lehnten individuellen Terrorismus nicht aus pazifistischen Gründen ab, sondern weil er unfähig zum Besiegen der zaristischen Autokratie war und tatsächlich ermöglichte, dass noch schlimmerer Staatsterror gegen die Arbeiterbewegung verwandt wurde.
Letztlich ist der individuelle Terrorist wie der Liberale - beide glauben, dass ihre individuellen Bemühungen Veränderungen herbeiführen können - der eine mit Bombe und Gewehr, der andere mit einem Ministerposten.
Der Marxismus stellt dem die bewusste Bewegung der Arbeiterklasse zur Veränderung der Gesellschaft entgegen. Es werden die ArbeiterInnen selbst sein, die die sozialistische Revolution machen werden. Die Aufgabe der MarxistInnen besteht darin, den ArbeiterInnen dabei zu helfen, sich ihrer Macht bewusst zu werden.
Der individuelle Terrorist handelt getrennt von den Massen und setzt sich selbst an ihre Stelle. Die ERP 'befreite' die Kapitalisten angeblich von 12 Millionen £ in Form von Lösegeldzahlungen - und verteilte auch Waren und Nahrungsmittel unter den Armen. Aber das lehrt die Arbeiterklasse letztlich nur, sich auf die Befreiung von oben durch eine kleine Gruppe von HeldInnen zu verlassen.
In diesem Sinne würden sie - wenn sie erfolgreich wären - bloß die Massen mit ihrer sogenannten 'Hilflosigkeit' versöhnen. Dies ergänzt bloß die Arbeit der Kapitalisten, die die Idee hegen und pflegen, dass die Arbeiterklasse ihnen gegenüber machtlos sei.
Aber das erdrückendste Argument gegen die Idee des individuellen Terrorismus ist die Russische Revolution selbst. Es war nicht individueller Terror, sondern die Bewaffnung der Masse der ArbeiterInnen und BäuerInnen und ihre Mobilisierung auf der Grundlage eines klaren internationalistischen Klassenprogramms, das zum Sieg der Revolution führte.
Nach der Revolution wurde 'Massenterror' -ArbeiterInnen- und BäuerInnen-Milizen zusammen mit der Roten Armee etc. - verwendet, um die früheren Ausbeuter niederzuhalten und die Intervention der Armeen des Imperialismus zurückzuschlagen.
Akte des individuellen Terrors geben der Reaktion Entschuldigungen, um Maßnahmen nicht nur gegen die 'Terroristen', sondern gegen die Arbeiterbewegung zu ergreifen, indem sie Arbeiterführer ermorden und auch indem sie reaktionäre Gesetze einführen.
Argentinien liefert ein perfektes Beispiel für diese Art Lage.
Abgesehen davon, dass die AAA die Kampagne der ERP als 'Rechtfertigung' für ihre systematischen Mordkampagne verwendet, konnte auch die perónistische Regierung 'Ausnahme'gesetze einführen - die angeblich gegen den 'Terrorismus' abzielen - aber in Wirklichkeit gegen die organisierte Arbeiterbewegung gerichtet sind.
So konnte die Regierung kürzlich ein Gesetz einführen, dass Strafen für "Vergehen gegen den Staat im Feld illegaler Arbeitskämpfe und Streiks" erlaubt. Es sind schon Haftbefehle für linke Gewerkschaftsführer wie Rene Samanca und Augusto Tosca erlassen. Ihre Organisation, die Automobilarbeitergewerkschaft, wurde unter die Kontrolle des Arbeitsministeriums gestellt!
Die ERP - die über die Köpfe der Massen hinweg den Einzelkampf mit der Reaktion führt - hat offensichtlich allmählich einen Schimmer von Verständnis dafür gekriegt, welchen Wirbelsturm sie mit ihrer Kampagne geerntet hat. So hat die kürzlich erklärt, sie sei "zu einem Waffenstillstand bereit unter der Bedingung, dass 1. alle politischen Gefangenen befreit werden, 2. unterdrückerische Gesetzte abgeschafft werden und 3. der Erlass zum Verbot der ERP aufgehoben wird."
Diese Forderungen können auf keinen Fall anders erfüllt werden als durch eine erfolgreiche Bewegung der ArbeiterInnen und BäuerInnen gegen die Regierung von Isabel Perón.
Wenn die ERP dabei irgendeine Rolle spielen sollte, müsste sie den gegenwärtigen Guerillakampf aufgeben und sich der Massenaktion und den Arbeiterorganisationen zuwenden. Die Reaktion und ihre bewaffneten Abteilungen hoffen offensichtlich, dass die Kampagne der ERP weitergeht. Sie können denn mit der Zerschlagung der Arbeiterorganisationen fortfahren.
Der einzige Weg, die blutige Arbeit der AAA zu stoppen, besteht in der Organisierung einer Arbeitermiliz - einer gewerkschaftlichen Verteidigungskraft - zur Verteidigung aller Arbeiterorganisationen, ihre Räumlichkeiten und öffentlichen Versammlungen.
Es ist eine schändliche Tatsache, dass die sogenannte Kommunistische Partei in Argentinien - und in Großbritannien - diese Forderung nicht klar aufgestellt hat und auch keine Kampagne zur Organisierung der ArbeiterInnen zum wirksamen Widerstand gegen die AAA begonnen hat.
Der 'Morning Star' - Organ der britischen KP - brachte am 23. September einen Artikel, der die Details über die AAA und ihre Verbindungen mit der CIA brachte:
"Das Ziel der CIA war die Errichtung rechter paramilitärischer Gruppen in Ländern wie Argentinien, die für ihre Befreiung kämpften … in einem Communique (behauptete die AAA), sie habe seit 29. Juli fünf linke PerónistInnen getötet und werde 12 weitere töten … das Communique wurde bald nach … dem Mord an dem 18jährigen Bauarbeiterführer Luis Jesus Garcia veröffentlicht".
Der höhnische Kommentar der AAA wurde auch gebracht: "Schon fünf weg und die Linken werden weiter fallen, wo immer sie sind."
Aber es gibt kein Wort darüber, wie ihre 'Schwesterpartei' zusammen mit den argentinischen ArbeiterInnen den AAA-Mördern entgegentreten kann. Sie verstehen ihre 'solidarische' Aufgabe bloß darin, Details über die blutige Arbeit der Reaktion zu veröffentlichen - wie eine kapitalistische Zeitschrift - ohne als internationalistische Pflicht einen Weg zu zeigen, wie man dieser Gefahr begegnen kann.
Man vergleiche das mit dem instinktiven Verständnis einiger junger ArbeiterInnen in der perónistischen Jugend, die sehen, dass die Bewaffnung der ArbeiterInnen und BäuerInnen der Weg zum Sieg über die Reaktion ist. So rief letztes Jahr Rodolfo Galimberti - Führer der Perónistischen Jugend - zur Bildung einer bewaffneten 'Volksmiliz' zur Verhinderung einer neuen Revolte durch die Generäle auf. Das machte Perón wütend und er forderte - und bekam - den Rücktritt Galimbertis von seiner Position.
Vier Monate nach Peróns Tod ist die argentinische Revolution an einer Weggabelung. Die Reaktion scheint auf dem Vormarsch zu sein. Aber die Arbeiterorganisationen sind immer noch weitgehend intakt. Manche der Illusionen unter den Massen in den Perónismus wurden durch den ungeschminkten Versuch Peróns vor seinem Tod (und seiner Witwe in seinen Fußstapfen) zerstreut, den Befehl der Grundherren und Kapitalisten zur Entwaffnung und Zerschlagung der Arbeiterorganisationen auszuführen.
Das zeigte sich klar an der Demonstration zum ersten Mai dieses Jahr, auf der Perón redete. Er griff die Linken als "dumm, verräterisch und Söldner" an. 30.000 Junge PerónistInnen, die die Hälfte von Peróns ZuhörerInnen ausmachten, verließen die Versammlung aus Protest!
Perónistische VeteranInnen in der 'Agrupacion del Peronistino' (APA) solidarisierten sich neun Tage später mit den Jungen PerónistInnen, kritisierten Perón für seine Beleidigungen und erinnerten ihn, dass "es nicht nur die Jungen waren, sondern dass es Tausende reife Männer und Frauen gibt, die genauso wie die Jungen denken und mit vielen Dingen, die passieren, nicht einverstanden sind."
Die perónistischen ArbeiterInnen - besonders die jungen ArbeiterInnen - verschoben sich während Peróns Amtszeit dramatisch nach links. Perón versuchte, ihrem Einfluss durch eine Reihe von Strafmaßnahmen zu begegnen.
Die FührerInnen der Jungen PerónistInnen wurden aus dem Exekutivkomitee der Justizialistischen Partei ausgeschlossen. Im Oktober letzten Jahres erklärten perónistische Führer, dass "alle Gruppen, die nicht von der Partei offiziell autorisiert sind (wie die an den Hochschulen und unter den ArbeiterInnen) als außerhalb der perónistischen Bewegung zu betrachten seien."
Das war ein klarer Versuch, den Einfluss der perónistischen jungen ArbeiterInnen und HochschulstudentInnen auf die perónistischen Gewerkschafterinnen zu untergraben.
Die großartige Jugend der Arbeiterklasse sammelt sich in den Jungen PerónistInnen und sucht nach Klassen- und marxistischen Positionen. Aber im Gefolge von Peróns Tod und dem Terror, den die perónistischen kapitalistischen Führer gegen sie eingesetzt hat, wurden zweifellos 'terroristische' Stimmungen hervorgerufen.
So sind die perónstischen Montonero-Guerillas kürzlich zum Untergrund-'Guerilla'kampf zurückgekehrt, obwohl die Führer des politischen Flügels der Jungen PerónistInnen daraufhin erklärten, sie "würden weder in den Untergrund gehen noch zu den Waffen greifen … (wir) sind politisch organisiert und unbewaffnet."
Perónistische Jugend
Die Fortsetzung der AAA-Kampagne muss jedoch viele der perónistischen Jugend, die nach Rache gegen diese faschistische Bande dürsten, zurück in die Sackgasse des individuellen Terrors treiben - wenn nicht die MarxistInnen sie mit ihrem Programm und Perspektiven erreichen. Der einzige Weg, um die AAA-Mörder zur Verantwortung zu ziehen, ist die Beseitigung des Systems, das sie hervorbringt.
Die Märtyrer der Arbeiterklasse, die gefallen sind, können nur durch die Zerstörung von Kapitalismus und Großgrundbesitz durch die sozialistische Revolution gerächt werden!
Bewaffnet die ArbeiterInnen - schafft eine Arbeitermiliz als einzige Verteidigung gegen einen faschistischen Angriff!
Organisiert ArbeiterInnen-, StudentInnen-, BäuerInnen-, Soldaten- und Matrosenräte! Vertreibt die bürokratischen Marionetten der Isabel-Perón-Regierung aus den Gewerkschaften, indem sie demokratisiert werden auf der Grundlage eines Programms von Wahl aller Funktionäre, Recht auf Abwahl und nicht mehr als den Durchschnittslohns eines Facharbeiters für Funktionäre!
Schafft eine wirkliche Arbeiterpartei, die der Forderung nach Verstaatlichung der Monopole, der Banken und Versicherungen verpflichtet ist! Das Land für die, die es bebauen!
Mit diesem Programm und einer marxistischen Perspektive der Hinwendung zu den ArbeiterInnen in den Gewerkschaften und Fabriken könnten die Jungen PerónistInnen ein mächtiger Hebel für die sozialistische Umgestaltung Argentiniens werden. Mit der Unterstützung, die sie schon haben, könnten sie schnell die Masse der Arbeiterklasse erreichen, die Reaktion auf ihrem Weg stoppen und eine Massenoffensive gegen die Kapitalisten und Grundeigentümer vorbereiten.
Aber wenn die MarxistInnen es nicht schaffen, die Jungen PerónistInnen rechtzeitig zu erreichen und auf der Grundlage dieses Programms zu überzeugen, dann wartet ein schreckliches Schicksal auf die Arbeiterklasse und die armen BäuerInnen dieses Landes. Die AAA sind bloß Wegbereiter für einen neuen Militärputsch nach dem Modell von Chile.
Der von der Regierung am 6. November erklärte 'Belagerungszustand' ist nur einen Schritt von einem vollständigen Kriegsrecht entfernt. Diese Maßnahme erlaubt den 'Sicherheitskräften' die willkürliche Verhaftung von Verdächtigen, ihre Festhaltung ohne Prozess, ihre Verbannung in abgelegene Winkel des Landes und gibt ihnen auch das Recht, öffentliche Versammlungen zu verbieten.
Und die faschistische Reaktion in Argentinien kann selbst die Schlächter des chilenischen Volks in den Schatten stellen. So sagte eine faschistische perónistische Zeitschrift 'El Caudillo' kürzlich:
"Denjenigen, die argumentieren, dass im Spanischen Bürgerkrieg eine Million Menschen starb, sagen wir: dieses Land kann mit einer Million Argentinier weniger klarkommen!"
Das ist eine das Blut erstarren lassende Erinnerung an den Alptraum, der den argentinischen Massen bevorsteht, wenn sie ihre Revolution gegen Kapitalismus und Großgrundbesitz nicht vollenden.
Der Sieg der argentinischen Revolution würde den Zusammenbruch der anderen Diktatoren bedeuten, die den Kontinent heimsuchen. Er würde revolutionäre Explosionen in allen Ländern Lateinamerikas auslösen und zu einer sozialistischen Föderation des Kontinents führen und hätte eines elektrisierende Wirkung auf die ausgebeuteten überall auf der Welt.
Sozialistische Föderation
Aus diesem Grund zittern Pinochet von Chile, die Geisel-Diktatur in Brasilien, Banzer in Bolivien und ihre militärischen Kohorten in anderen Ländern Lateinamerikas vor der Aussicht auf einen Sieg der argentinischen ArbeiterInnen und BäuerInnen. Aus demselben Grund - aber mit genau entgegengesetzten Hoffnungen - folgen die politisch bewussten britischen ArbeiterInnen dem Fortschritt des Kampfes der argentinischen ArbeiterInnen mit großem Interesse, bieten Unterstützung - politische und materielle - wenn nötig - und hoffen auf die sozialistische Revolution - die einzige Hoffnung auf Freiheit von Hunger und Elend für die Armen von Argentinien.
Erstmals erschienen im November 1974 in Militant (jetzt: The Socialist), Wochenzeitung der Socialist Party, britische Sektion des CWI
[ Top ] |