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Offener Brief an die Redaktion der "Linken"
9. April 2001
Liebe GenossInnen,
in der neuersten Ausgabe der Linken habt Ihr Euch im Artikel "Rot ist Wien noch lange nicht" auch mit dem Wahlergebnis der "kleinen" Kandidaturen beschäftigt, darunter auch mit jenem der SLP.
Ihr schreibt:
"Die Sozialistische Linkspartei (SLP) erhielt im Wahlkreis Zentrum, dem einzigen, in dem sie zum Gemeinderat antrat, mit 93 Stimmen weniger als sie Unterstützungserklärungen (100 pro Wahlkreis) hatte abgeben müssen."
Dazu einige Bemerkungen:
- Die SLP erhielt im Wahlkreis Zentrum exakt 100 Stimmen (Ihr habt offensichtlich vergessen, das Wahlkartenergebnis zu berücksichtigen).
- Trat die SLP nicht nur im Wahlkreis Zentrum, sondern auch auf Bezirksebene im 5. Bezirk an. Wenn ihr das (eurer Ansicht nach offensichtlich schlechte) Ergebnis der SLP mit jenem (von Euch offensichtlich als gut eingeschätzten) Ergebnis von "Ottakring gegen Schwarzblau" vergleicht, so bitte doch gleiches mit gleichem und nicht Äpfel mit Birnen. Eine Stimme auf Gemeinderatsebene wird viel schwerer gegeben weil sie viel eher als "verlorene Stimme" bewertet wird.
- Die SLP hat im 5. Bezirk 139 Stimmen erhalten, das entspricht 0,68%. "Ottakring gegen Schwarzblau" hat 281 Stimmen erhalten, das sind aber auch nur 0,78%. Entspricht der Unterschied von 0,78 zu 0,68% einem qualitativen Unterschied?
- Der einzige qualitative Unterschied besteht darin, dass die 0,68% der SLP für eine klar sozialistische Kandidatur abgegeben wurden, während "Ottakring gegen Schwarzblau" ein breiteres und daher auch politisch breiteres Bündnis war. Wenn wir der Logik der "Linken" folgen, hat die programmatische Breite gerade mal 0,1% gebracht. Ob es das wert war?
- Wir haben die Kandidatur von "Ottakring gegen Schwarzblau" als einen positiven Schritt eingeschätzt, einen Wahlaufruf für diese abgegeben und bilanzieren das Ergebnis als positiv. Wir sehen darin einen Baustein auf dem Weg zum Aufbau einer neuen ArbeiterInnenpartei.
- Die Arroganz der SOAL bzw. der Redaktion der "Linken" bezüglich unserer Kandidatur entspricht unserer Einschätzung nach nicht dem Selbstverständnis der AktivistInnen von "Ottakring gegen Schwarzblau" und wird, sollte sich daran nichts ändern, ein Hindernis beim Aufbau einer neuen ArbeiterInnenpartei darstellen.
- Wir würden Euch für die nächste "Linke" eine Einschätzung von uns über unseren Wahlkampfes anbieten, der eine Grundlage für eine seriösere Behandlung Eurerseits sein könnte.
Mit sozialistischen Grüßen
Sonja Grusch (für die SLP)
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