Ist der Mensch zu schlecht für den Sozialismus?

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8) "Im Sozialismus werden alle Menschen gleichgemacht, da gibt es keinen Raum mehr für Individualität."

In der heutigen Gesellschaft ist keineR frei und niemand kann sich wirklich individuell entfalten. Alles hängt vom Geld ab. Die Entwicklung von Fähigkeiten hängt heute immer noch zum großen Teil davon ab, auf welchem Fleck der Erde und in welcher Klasse jemand geboren wird. Wer reich ist, ist frei und kann wählen, ob mensch eine Spezialausbildung macht oder lieber eine Lehre. Wer kein Geld hat, muss machen, was mensch sich leisten kann. Viele Talente und Genies sind dadurch schon verloren gegangen. Sie konnten nicht studieren, weil das Geld der Eltern nicht reichte.

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1891 schrieb Oscar Wilde in "Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus" zum Thema Individualität: "Unter den neuen Umständen (im Sozialismus, Anm.) wird der Individualismus viel freier, schöner und viel intensiver sein als heutigen Tags. Denn die Anerkennung des Privateigentums hat in der Tat den Individualismus geschädigt und verdunkelt, indem er den Menschen verwechselte mit dem, was er besitzt. Es hat den Individualismus völlig in die Irre geführt. Es hat ihm Gewinn, nicht Wachstum zum Ziel gemacht. So dass der Mensch glaubte, die Hauptsache sei, zu haben, und nicht wusste, dass es die Hauptsache ist, zu sein. Die wahre Vollkommenheit des Menschen liegt nicht in dem, was er hat, sondern in dem, was er ist. Das Privateigentum hat den wahren Individualismus vernichtet und einen falschen hingestellt. Durch Aushungern hat es einem Teil der Gemeinschaft die Möglichkeit benommen, individuell zu sein. Es hat dem anderen Teil der Gemeinschaft die Möglichkeit, individuell zu sein, benommen, indem es ihn auf den falschen Weg brachte und ihn überbürdete.

Die Betriebsamkeit, die zum Geldverdienen erforderlich ist, ist gleichfalls sehr demoralisierend. In einer Gemeinschaft wie der unsern, wo das Eigentum Rang, gesellschaftliche Stellung, Ehre, Würde, Titel und andere angenehme Dinge der Art verleiht, macht es der Mensch, ehrgeizig wie er von Natur wegen ist, zu seinem Ziel, Eigentum anzuhäufen, und fährt damit bis zur Ermüdung und zum Überdruss fort, auch wenn er weit mehr angehäuft hat, als er braucht oder benutzen kann, ja sogar mehr, als ihn erfreut, und mehr, als er weiß. Der Mensch arbeitet sich zu Tode, um Eigentum zu erlangen, und wenn man freilich die ungeheuren Vorteile sieht, die das Eigentum mit sich führt, ist es nicht zum Verwundern. Bedauern muss man, dass die Gesellschaft so aufgebaut ist, daß der Mensch in eine Grube gezwängt ist, wo er nichts von dem frei zur Entfaltung kommen

lassen kann, was Schönes und Bannendes und Köstliches in ihm ist - wo er tatsächlich die wahre Lust und die wahre Freude am Leben entbehrt.

Nun, nichts sollte einen Menschen schädigen können, es sei denn er selbst. Nichts überhaupt sollte einen Menschen ärmer machen können. Was in ihm ist, das hat der Mensch wirklich. Was draußen ist, sollte ohne Bedeutung sein. Nach der Abschaffung des Privateigentums werden wir also den wahren, schönen, gesunden Individualismus haben. Niemand wird sein Leben damit vergeuden, dass er Sachen und Sachwerte anhäuft. Man wird leben. Leben - es gibt nichts selteneres in der Welt. Die meisten Leute existieren, weiter nichts. Es ist die Frage, ob wir jemals eine Persönlichkeit sich völlig haben ausleben sehen, es sei denn in der Phantasiesphäre der Kunst."

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Erst im Sozialismus, in dem die Gesellschaft die Fähigkeiten eines/r jeden braucht, um sie zum Wohle aller für die Gesellschaft einzusetzen, kann es gleiche Möglichkeiten für alle geben. Jede/r hat den gleichen Zugang zu Entwicklungs- und Bildungsmöglichkeiten und die Möglichkeit, seine/ihre Fähigkeiten optimal zu fördern und so für sich ein erfüllteres Leben zu haben. Für die Gesellschaft bringt das den größtmöglichen Vorteil. KeinE echteR SozialistIn würde jemals auf die Idee kommen, alle gleich machen zu wollen. Das wäre unsinnig, da der Sozialismus auf Vielfalt der menschlichen Ideen und Fähigkeiten aufbaut. Es wäre unmöglich, eine lebendige Demokratie aufzubauen, wenn alle Menschen gleichgeschaltet wären. Aber damit die Demokratie leben kann, muss es gleiche Chancen für alle geben.

Sozialismus ist Enteignung

Ja und Nein, Sozialismus bedeutet das Ende des Privateigentums an Produktionsmitteln, also an großen Fabriken und Unternehmen von einigen wenigen (und nicht an Fernsehern, Autos und Schallplattensammlungen). Sozialismus bedeutet auch, dass die Masse der Bevölkerung endlich das erhält, was sie erarbeitet (hat) - sie erhält erstmals in der Menschheitsgeschichte die ganzen Früchte ihrer Arbeit.

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Schon 1848 haben Marx und Engels das im Kommunistischen Manifest genau erklärt: "Man hat uns Kommunisten vorgeworfen, wir wollten das persönlich erworbene, selbsterarbeitete Eigentum abschaffen; das Eigentum, welches die Grundlage aller persönlichen Freiheit, Tätigkeit und Selbständigkeit bilde. (...) Schafft aber die Lohnarbeit, die Arbeit des Proletariers ihm Eigentum? Keineswegs. Sie schafft das Kapital, d.h. das Eigentum, welches die Lohnarbeit ausbeutet, welches sich nur unter der Bedingung vermehren kann, dass es neue Lohnarbeit erzeugt, um sie von neuem auszubeuten. (...) Das Kapital ist ein gemeinschaftliches Produkt und kann nur durch eine gemeinsame Tätigkeit vieler Mitglieder, ja in letzter Instanz nur durch die gemeinsame Tätigkeit aller Mitglieder der Gesellschaft in Bewegung gesetzt werden. Das Kapital ist also keine persönliche, es ist eine gesellschaftliche Macht. Wenn also das Kapital in gemeinschaftliches, allen Mitgliedern der Gesellschaft angehöriges Eigentum verwandelt wird, so verwandelt sich nicht persönliches Eigentum in gesellschaftliches. Nur der gesellschaftliche Charakter des Eigentums verwandelt sich. Er verliert seinen Klassencharakter. (...) In der bürgerlichen Gesellschaft ist das Kapital selbständig und persönlich, während das tätige Individuum unselbständig und unpersönlich ist. Und die Aufhebung dieses Verhältnisses nennt die Bourgeoisie Aufhebung der Persönlichkeit und Freiheit! Und mit Recht. Es handelt sich allerdings um die Aufhebung der Bourgeois-Persönlichkeit, -Selbständigkeit und -Freiheit. (...)

Ihr entsetzt euch darüber, dass wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in eurer bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben; es existiert gerade dadurch, dass es für neun Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also vor, dass wir ein Eigentum aufheben wollen, welches die Eigentumslosigkeit der ungeheuren Mehrzahl der Gesellschaft als notwendige Bedingung voraussetzt.

Ihr werft uns mit einem Worte vor, dass wir euer Eigentum aufheben wollen. Allerdings, das wollen wir.

Von dem Augenblick an, wo die Arbeit nicht mehr in Kapital, Geld, Grundrente, kurz, in eine monopolisierbare gesellschaftliche Macht verwandelt werden kann, d.h. von dem Augenblick, wo das persönliche Eigentum nicht mehr in bürgerliches umschlagen kann, von dem Augenblick an erklärt ihr, die Person sei aufgehoben. Ihr gesteht also, dass ihr unter der Person niemanden anders versteht als den Bourgeois, den bürgerlichen Eigentümer. Und diese Person soll allerdings aufgehoben werden. Der Kommunismus nimmt keinem die Macht, sich gesellschaftliche Produkte anzueignen, er nimmt nur die Macht, sich durch diese Aneignung fremde Arbeit zu unterjochen. Man hat eingewendet, mit der Aufhebung des Privateigentums werde alle Tätigkeit aufhören und eine allgemeine Faulheit einreißen. Hiernach müßte die bürgerliche Gesellschaft längst an der Trägheit zugrunde gegangen sein, denn die in ihr arbeiten, erwerben nicht, und die in ihr erwerben, arbeiten nicht. (Gemeint ist, dass die Kapitalistenklasse von der Arbeit der ArbeiterInnenklasse lebt, Anm.) Das ganze Bedenken läuft auf die Tautologie hinaus, dass es keine Lohnarbeit mehr gibt, sobald es kein Kapital mehr gibt."

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10 Fragen - Übersicht und Einleitung
 


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