Ist der Mensch zu schlecht für den Sozialismus?

10 Fragen - 10 Antworten

 

10) "Der Mensch geht immer den Weg des geringsten Widerstandes - Eurer ist viel zu mühsam, sonst gäbe es ja schon längst Sozialismus."

Der Kampf für die Verbesserung der Lebensverhältnisse ist so alt wie die Menschheit selbst. Der Mensch kann als Individuum auf sich allein gestellt nicht überleben. Er ist ein gesellschaftliches Wesen. Von der Urgesellschaft, über Sklaverei, Feudalismus und Kapitalismus war der Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen ausschlaggebend für den Übergang von einer historischen Stufe zur nächsten. Seit der Aneignung von Produktionsmittel durch eine Minderheit der Gesellschaft, teilt sich die Menschheit in eine AusbeuterInnenklasse und eine ausgebeutete Klasse. Die Geschichte der Menschheit ist seither die Geschichte von Klassenkämpfen. Dieser Kampf war gekennzeichnet von Aufständen der SklavInnen des Altertums, von großen Bauern/Bäuerinnen-Kriegen im Mittelalter, von bürgerlichen Revolutionen gegen den Adel in der Neuzeit. Die enorme Entwicklung der Produktivkraft im Kapitalismus hob die Menschheit erstmals in ihrer Geschichte auf die Stufe der Überflussproduktion und schuf damit die materiellen Voraussetzungen bzw. die Notwendigkeit der Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Aber im Kapitalismus wurde diese Ausbeutung nicht abgeschafft, sondern im Gegenteil perfektioniert. Wie schon in der Geschichte gibt es auch im Kapitalismus Klassenkämpfe. Das reicht vom Aufstand der schlesischen WeberInnen 1844 über die Pariser Kommune 1871, der Oktober-Revolution in Russland 1917 bis zum Generalstreik in Italien im Frühjahr 2002. Die ArbeiterInnenklasse hat sich in Gewerkschaften und Parteien organisiert, um für eine Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen, aber auch für den Sturz des Kapitalismus zu kämpfen. Aber trotz vieler Streiks, Aufstände und Revolutionen gibt es heute nirgends auf der Welt Sozialismus.

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Leo Trotzki hat es 1938 im Übergangsprogramm so formuliert: "Alles Gerede, dass die geschichtlichen Bedingungen noch ‚nicht reif' seien für den Sozialismus, ist ein Erzeugnis von Unwissenheit oder bewusstem Betrug. Die objektiven Voraussetzungen für die proletarische Revolution sind nicht nur ‚reif', sondern beginnen bereits zu verfaulen. Ohne eine sozialistische Revolution, und zwar in der nächsten geschichtlichen Periode, droht der gesamten menschlichen Kultur eine Katastrophe. Alles hängt nunmehr vom Proletariat ab, das heißt vor allem von seiner revolutionären Vorhut. Die geschichtliche Krise der Menschheit läuft auf die Krise der revolutionären Führung hinaus."

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Die von Trotzki genannte Katastrophe trat mit dem 2. Weltkrieg ein. Seither gab es eine Reihe weiterer Möglichkeiten, den Kapitalismus zu stürzen. Wie schon in der Vergangenheit scheiterten diese, weil ihre Führung nicht bereit war, den letzten entscheidenden Schritt zu gehen und lieber auf Zusammenarbeit mit dem Kapital setzte. Beispiele dafür sind u.a. die Revolution in Portugal, die linke Regierung Allende in Chile, Frankreich 1968, Indonesien in den 60er Jahren.... Hunderttausende Menschen kämpfen für eine bessere Welt aber ihre reformistischen Führungen machten schreckliche Fehler - und viele mussten das mit ihrem Leben bezahlen (der Putsch Pinochets in Chile, der Putsch Suhartos in Indonesien).

Der Sturz des Kapitalismus ist Notwendig, damit die Menschheit eine Zukunft hat - sonst bedeutet das 3. Weltkrieg, Umweltkatastrophen, Seuchen etc. Leicht ist der Weg nicht. Rechte Populisten erhalten zur Zeit in Wahlen Stimmen, weil sie sich häufig als einzige Alternative zum verhassten Establishment präsentieren. Sie bieten einfache Antworten zur Lösung der Probleme, z.B. "Die Ausländer sind schuld". Aber wie die Regierungsarbeit dieser Parteien, z.B. der rechtsextremen FPÖ, zeigt, unterscheidet sich ihre Politik nicht wirklich, betreiben sie insbesondere denselben Neoliberalismus.

Die Stärke dieses Rechtspopulismus' ist die Schwäche der Linken. Daher ist der Wiederaufbau der ArbeiterInnenbewegung und einer sozialistischen ArbeiterInnenpartei von zentraler Bedeutung. SozialistInnen beteiligen sich an allen Kämpfen gegen Ausbeutung und Unterdrückung, an den "kleinen" gegen Arbeitsplatzabbau, ebenso wie an "großen" für nationale Befreiung z.B. in Palästina und gegen den globalen Kapitalismus. In diesen Kämpfen unterstützen wir jede noch so kleine Verbesserung, weisen aber gleichzeitig auf die Notwendigkeit einer Gesellschaftsveränderung hin. Im Zuge des Kampfes wird es deutlich, dass die UnternehmerInnen keine BündnispartnerInnen sind, sondern zwischen ArbeiterInnen und Kapitalisten unüberbrückbare Gegensätze bestehen.

Der einfache Weg, den Kapitalismus zu reformieren, wird von der ArbeiterInnenklasse ausprobiert, aber der Widerstand der KapitalistInnen macht früher oder später deutlich, dass der einfache Weg eine Sackgasse ist. Die AktivistInnen in der globalen Protestbewegung müssen zunehmend die Erfahrung machen, dass ihre Appelle und guten Argumente mit brutaler Gewalt erwidert werden. Die ArbeiterInnen sehen sich gleichzeitig mit Rekordgewinnen der Unternehmer und sinkenden Löhnen konfrontiert.

Die Aufstände und Revolutionen der Vergangenheit sind am Fehlen oder Versagen der Führung gescheitert. SAV und SLP sind Mitglied im Komitee für eine ArbeiterInneninternationale, mit Sektionen und Gruppen auf allen Kontinenten. Unser Ziel ist der Aufbau einer sozialistischen Weltpartei zum Kampf gegen den Kapitalismus und die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft. Aber in den letzten Jahrzehnten hat die ArbeiterInnenbewegung eben wegen des Fehlens dieser Führung auch insgesamt eine Schwächung hinnehmen müssen. Es sind Illusionen in den Kapitalismus bzw. eine Perspektivlosigkeit entstanden, die den Kampf für die Verbreitung sozialistischer Ideen wieder notwendig machen. In vielen Ländern steht die ArbeiterInnenklasse nach der Verbürgerlichung der Sozialdemokratie ohne eine Klassenpartei da. Neue ArbeiterInnenparteien müssen aufgebaut werden. RevolutionärInnen sehen sich daher einer doppelten Aufgabe gegenüber - dem Wiederaufbau der ArbeiterInnenbewegung an sich und dem Aufbau der revolutionären Führung.

Es werden in der Zukunft wieder revolutionäre Situationen kommen - ob wir dann den Kapitalismus endgültig stürzen können hängt auch von Dir ab! Denn nicht der Mensch ist zu schlecht für den Sozialismus, sondern der Kapitalismus ist zu schlecht für den Menschen!

 
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10 Fragen - Übersicht und Einleitung
 


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