Libanon: Die 22jährige israelische Besatzung kommt zu einem ruhmlosen EndeNach 22 Jahren militärischer Besatzung haben die Israelischen Verteidigungskräfte (Israeli Defence Forces, IDF) endgültig den Libanon verlassen. Während der Besetzung wurden Zehntausende libanesische ZivilistInnen getötet und Hunderttausende zu Flüchtlingen gemacht. Die IDF verloren fast 1000 SoldatInnen und trotzdem litten die Siedlungen in Nordisrael weiterhin unter Raketenangriffen von Hizbollah-Guerillas. Kevin Simpson bewertet die Bedeutung von Israels historischem Rückzug. Aus "The Socialist", Nr. 158, 2. Juni 2000Schließlich wurde eine der effizientesten und bestbewaffnetsten Streitkräfte der Welt - die IDF - von einer islamischen Freiwilligen-Guerilla von etwa 5.000 Mann besiegt - der Hizbollah (die hauptsächlich vom iranischen Regime, aber auch von der syrischen Regierung beeinflusst und unterstützt wird). Der Hauptgrund dafür war, dass die IDF eine Besatzungsarmee war, die sich auf eine brutale Söldnermiliz stützte, die Südlibanesische Armee (SLA), die für Erpressung und andere Verbrechen berüchtigt ist. In den letzten Jahren ging die Unterstützung für Hizbollah in die Höhe, weil viele LibanesInnen sie als die einzigen Leute ansahen, die gegen die verhassten Besatzungskräfte Widerstand leisteten. Als Folge dieser Unterstützung konnte Hizbollah blitzartige Überfälle organisieren und der SLA und den IDF-Kräften harte und schnelle Schläge versetzen und dann in den umgebenden libanesischen Dörfern verschwinden. Die Hizbollah-Kämpfer waren auch ideologisch motiviert, das zu vertreiben, was sie als zionistisch-imperialistische Besatzer in Südlibanon sahen. Brigadegeneral Benny Gantz (Kommandeur der IDF-Kräfte im Libanon) kommentierte: "Hizbollah ist eine gut ausgebildete Guerillaorganisation. Ich bin nicht sicher, ob allzu viele reguläre Armeen sich so gut gegen sie geschlagen hätten." Die IDF-Besatzung wurde in Israel auch zunehmend unpopulär. Viele Israelis aus der Arbeiterklasse sahen es als blutigen Morast für Wehrpflichtige, der Israels nördliche Städte Hizbollah-Angriffen aussetzte. Die Unpopularität der Besatzung führte Ehud Barak, jetzt Ministerpräsident von Israels Koalitionsregierung, im Wahlkampf des letzten Jahres zu dem Versprechen, sich binnen 12 Monaten aus Südlibanon zurückzuziehen. Er wollte das jedoch mit einem Friedensabkommen mit der syrischen Regierung und dem Abzug der IDF von den seit dem israelisch-arabischen Krieg 1967 besetzten Golan-Höhen verbinden. Als die jüngste Verhandlungsrunde zwischen der syrischen Regierung und Israel platzte, stand Barak unüberwindlichen Druck gegenüber, sein Versprechen zu erfüllen und den Abzug zu vollenden. Das war besonders der Fall, weil die Barak-Regierung versprochen hatte, 300.000 Arbeitsplätze mit freier Bildung für alle Israelis vom Kindergarten bis zum Universitätsabschluss zu schaffen. Statt dessen begann die Regierung eine Reihe bösartiger Angriffe auf den Lebensstandard der Arbeiterklasse, der zu einem Einbruch bei der Unterstützung seiner Regierung führte. Schließlich wurde ein zweiwöchiger inszenierter IDF-Rückzug ein achtundvierzigstündiges ungeordnetes Zurückkriechen über die Grenze. Die SLA, die seit einer Reihe von Monaten in einem Zustand des halben Zusammenbruchs war, zerfiel. Tausende SLA-Milizionäre mit ihren Familien strömten über die Grenze, um in Israel Schutz zu suchen, und ließen ihre schweren Waffen ebenso zurück wie ihre Mercedes, BMWs und Luxusvillen. Sofort strömten Zehntausende frohe libanesische schiitisch-moslemische ZivilistInnen zusammen mit Hizbollah-Kämpfern in die Sicherheitszone zurück und übernahmen die vor zwei Jahrzehnten verlassenen Dörfer. Hizbollah konnte sich auch im großen Stil mit hochwertigen militärischen Ausrüstungsgegenständen eindecken, die die abziehende SLA zurückgelassen hatte. Zweifellos ist die Wahrnehmung der Mehrheit der arabischen Massen im Nahen Osten, dass das eine größere militärische Niederlage für die IDF war. Übertriebene vergleiche zum unrühmlichen Rückzug des US-Imperialismus aus Vietnam wurden angestellt. Trotzdem sind Wahrnehmungen wichtig und diese politische Niederlage und dieser militärische Rückschlag für die israelische herrschende Klasse wird die Zuversicht der PalästinenserInnen erhöht haben, die in den früheren Besetzten Gebieten und dem palästinensischen Verwaltungsgebiet für einen echten Staat kämpfen. Es wird auch die Zuversicht unter israelischen PalästinenserInnen erhöht haben, die gegen Diskriminierung und Armut innerhalb Israels kämpfen. Unter einfachen israelischen JüdInnen gab es zuerst eine weitverbreitete Stimmung, dass die Regierung den Abzug verpfuscht habe und eine scharfe Zunahme des Unsicherheitsgefühls, als israelische JüdInnen sahen, dass Hunderte Hizbollah-Kämpfer und Tausende ihrer UnterstützerInnen Dörfer im Südlibanon übernahmen. Da IDF-Truppen Südlibanon zunehmend als gefährlichen Platz gesehen hatten, änderte sich die Stimmung in eine der Erleichterung, weil alle SoldatInnen nach Hause zurückkamen. Widersprüche Kurzfristig wird die Unterstützung für Ehud Barak zunehmen und seine Regierung stabilisiert werden. In den kommenden Monaten wird die Instabilität der israelischen Gesellschaft jedoch wieder an die Oberfläche zurückkehren. Israelische JüdInnen aus der Arbeiterklasse fühlen sich vom kapitalistischen, zionistischen Staat zunehmend betrogen. Die Angriffe auf den Lebensstandard gehen Hand in Hand mit einer massiven Polarisierung im Reichtum und zunehmenden Korruptionsskandalen, an denen Präsident Ezer Weizmann (der jetzt zurückgetreten ist) und Ministerpräsident Barak beteiligt sind. Der Ruf der Generäle, die früher von israelischen JüdInnen als nachahmenswerte Beispiele gesehen wurden, wurde beschädigt. Viele Ex-Generäle sind jetzt Politiker (einschließlich Barak selbst), die in Korruption verwickelt sind und sich auf dem Rücken der armen israelischen Arbeiterinnen bereichern. Die Generäle an der Spitze der Armee sind in verpfuschte Militäroperationen und Skandale verwickelt. Der Rückzug hat im Libanon auch keinen der Widersprüche gelöst. Es ist immer noch ein Land mit einem Flickenteppich verschiedener religiöser und ethnischer Gruppen, dessen Bevölkerung immer noch an den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Bürgerkriegs leidet. 80.000 LibanesInnen hatten Jobs in der Sicherheitszone und in Israel. Deren Hinzufügung zu den Arbeitslosenzahlen wird die libanesische Wirtschaft weiter destabilisieren. Trotz dem Sieg der Hizbollah wird die von ihr vorgeschlagene reaktionäre Politik (das heißt ein diktatorischer, klerikal dominierter Staat) die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme der Massen im Südlibanon nicht lösen. Die Furcht der libanesischen ChristInnen um ihre Sicherheit wurden durch Hizbollahs Sieg im Südlibanon verstärkt. Für den Sommer sind Parlamentswahlen geplant und wenn ihr gegenwärtiges Unterstützungsniveau anhält, wird sie ihre Vertretung im libanesischen Parlament erhöhen. Das könnte das zerbrechliche Kräftegleichgewicht im ganzen Libanon destabilisieren. Der westliche Imperialismus, der israelische Kapitalismus und die morschen halbfeudalen arabischen Regime sind für die Jahrzehnte Konflikt und Gewalt im Nahen Osten verantwortlich. Nur der Sturz des Kapitalismus und Feudalismus kann die Grundlage für die Beseitigung des Kreislaufs von Blutvergießen, Gewalt und Armut schaffen, der die Arbeiterklasse und die Bauernmassen der Region heimsucht. Eine sozialistische Föderation der Region könnte die vorhandenen menschlichen und natürlichen Ressourcen nutzen und ein harmonisches Leben schaffen, in dem im Lauf der Zeit der bisher gesehen Typ von Konflikten zur blasser werdenden Erinnerung würde. |
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