Jugend gegen Rassismus in Europa- JRE
c/o SAV
Augustenstraße 92
18055 Rostock
Tel.: 4996590

Nazis greifen Antifaschisten an!
Pressemitteilung
Rostock, den 04. 08.'00

Am 04. 08. 00 führten wir, Jugend gegen Rassismus in Europa, eine Aktion gegen rassistische Propaganda am Cityblick in Toitenwinkel durch. Wir wollten aufzeigen, welche Gefahren sich zum Beispiel hinter dem Verkauf von rassistischen Zeitungen wie der "Deutschen Stimme" der NPD sowie der "National- Zeitung" der DVU verbergen. In diesen Zeitungen wird offen zum Rassenhass aufgestachelt, der Holocaust schlichtweg geleugnet und Gewalt propagiert.

Schon seit einiger Zeit sammeln wir Unterschriften und verteilen Flugblätter gegen rassistische Propaganda in unseren Zeitungsläden und diskutieren mit den Leuten. Höhepunkt unserer Kampagne sollte die Aktion sein- und es wurde ein Höhepunkt- allerdings der etwas anderen Art. Denn während wir unsere angemeldete und genehmigte Aktion durchführten, rottete sich eine Gruppe von etwa 40 Neonazis zusammen, die sogleich auf unseren Infostand losstürmten, Materialien beschädigten beziehungsweise stahlen und Mitglieder von JRE verbal als auch tätlich angriffen. Sie trugen offen Waffen, eindeutige Embleme "Freier Kameradschaften" auf ihren Jacken und bedrohten uns. Die Polizei war mit zwei Vertretern anwesend, die eher hilflos als schützend daneben standen. Auch die angeforderte Verstärkung ließ eine Viertel Stunde auf sich warten. Wir waren also auf uns selbst gestellt, mußten immer wieder Angriffe der Faschisten abwehren und als wir versuchten eine Ansage durch unser Megaphon zu machen, um die umstehende Menschenmenge auf unsere Situation aufmerksam zu machen und zu gemeinsamer Gegenwehr aufzurufen, wurde uns dies durch das Ordnungsamt verboten.

Als einige Zeit später endlich die Verstärkung der Polizei( mit 6 Leuten) eintraf, trat die rechte Meute den Rückzug an. Die Polizisten verfolgten sie - und wir standen wieder alleine da.

Menschen, die die Szenerie beobachtet hatten, kamen wütend, erschüttert und teiweise weinend zu uns. Sie konnten es nicht fassen, was sich da gerade vor ihrer Nase abgespielt hatte- 40 Faschisten in "Festtagskleidung" Bomberjacke, Springerstiefel, kahlrasierte Schädel) bedrohten Antifaschisten.

Hiermit ist wieder einmal mehr deutlich geworden, was die Sprache der Faschisten ist- nämlich Gewalt. Schaut man sich die Morde an den 3 Obdachlosen in Ahlbeck, Greifswald und Wismar an, so schrecken Faschisten vor nichts mehr zurück. Mit offenem, selbstbewußtem Auftreten versuchen sie andere Leute einzuschüchtern. Und während Politiker das Thema "Recht Gewalt" noch diskutieren, gab es schon den nächsten rechtsextremen Anschlag in Wismar. Der Täter ist NPD- Mitglied und vermutete Obdachlose in seinem Zielobjekt, einem Heim. "Die sollen erstmal arbeiten gehen" so seine Aussage bei der Polizei.

Wir werden uns das nicht gefallen lassen und uns wehren, denn heute treten uns "nur" 40 Faschisten morgen 4000 gegenüber. Wir müssen dem etwas entgegensetzen. Genauso selbstbewußt, wie Faschisten uns gegenübertreten, müssen wir es auch tun. Deshalb bauen wir Jugend gegen Rassismus in Europa - JRE auf, um gemeinsame Gegenwehr zu organisieren.

Wir von Jugend gegen Rassismus in Europa haben Anzeige erstattet. Einige Faschisten, die in Toitenwinkel dabei waren, sind einschlägig bei der Polizei bekannt.

Und die Nazis planen schon ihren nächsten Auftritt. So haben sie einen Aufmarsch in Rostock mit 2500 alten und neuen Nazis zum Rudolf Hess Gedenktag angemeldet (laut Norddeutsche Neuste Nachrichten vom 04.08.).

Bleibt wohl nur zu hoffen, daß sich genügend Antifaschisten finden, die dies zu verhindern wissen. Keinen Fußbreit den Faschisten - Wir setzen uns zur Wehr!

Mit antifaschistischen Grüßen
Jugend gegen Rassismus in Europa- JRE
Tini