Wie hältst du's mit der Gewerkschaft?Zahlreiche SchülerInnen in ganz Österreich werden dieses Schuljahr keine Skikurse, Projektwochen, Sprachreisen usw. erleben. Grund dafür ist der Schulveranstaltungsboykott der LehrerInnen wegen des neuen Bugetbegleitgesetzes, das am 5. November beschlossen wurde. Der von Vielen gewünschte Streik blieb und bleibt auch weiterhin aus, da die Gewerkschaftsführung nicht hinter ihren Mitgliedern stand und steht. Im letzten Schuljahr gab es zahlreiche Abstimmungen in den Reihen der Gewerkschaft, die alle auf einen Wunsch der meisten Lehrer und Lehrerinnen aus allen Bereichen hinausliefen: STREIK gegen die Einsparungen im Bildungsbereich an den Schulen und Lehranstalten. Die Gewerkschaft öffentlicher Dienst GÖD jedoch ignorierte diese Beschlüsse konsequent und setzte auf Verhandlungen mit der Regierung. Im Pflichtschulbereich erarbeitete die Gewerkschaftsführung sogar ein eigenes Einsparungsmodell. Die darauf folgende Abstimmung könnte man als Wahl zwischen Pest und Cholera beschreiben. Opposition statt Austritt In Folge dieser Ereignisse gründete sich das Forum Henriettenplatz im vergangenen Herbst neu. Es verzeichnete einen großen Zulauf von LehrerInnen aus den verschiedensten Bereichen, die sich zurecht von ihren Gewerkschaften verraten fühlten. Immer wieder versuchten die aktiven LehrerInnen in den zahlreichen Dienststellenversammlungen im letzten Jahr an ihren Schulen das Wort Streik in die Gewerkschaft hineinzutragen. Bis auf den Warnstreik der AHS- LehrerInnen vom 5. Dezember des vorigen Jahres allerdings ohne größeren Erfolg. Der Boykott von Wandertagen, Sportwochen und sämtlichen KV- Aktivitäten stellte sich als die einzige Möglichkeit mit gewerkschaftlicher Unterstützung Widerstand gegen das neue Gesetz und die Regierung zu leisten, heraus. Daher solidarisieren wir uns als SchülerInnenaktionsplattform (SAP) mit den LehrerInnen, betonen aber auch immer wieder, dass nur ein unbefristeter Streik eine grundliegende Veränderung herbeiführen kann. Vorreiter Vorarlberg Doch nicht nur in Wien spielte sich so Einiges im letzten Jahr im Bildungsbereich ab. In Vorarlberg lehnten 96% aller LehrerInnen sowohl das Regierungsmodell als auch das Gewerkschaftsmodell ab und stimmten für Streik. Nach dem, von der GÖD - Führung abgelehnten, Streikantrag vom 21. Mai 2001, bildete sich aus der Plattform "Gemeinsam sind wir stark" die "Unabhängige Bildungsgewerkschaft" (UBG) in Vorarlberg. Mittlerweile hat sie schon über 800 Mitglieder und gründete sich vor kurzem auch in Wien. Gescheiterter Boykott Weit weniger spielt sich momentan an den Universitäten ab. Nach dem gescheiterten Studiengebührenboykott der ÖH- Führung, ist die Chance auf einen neuerlichen Boykott oder sogar Streik so gut wie nicht vorhanden. Das linke Bündnis zwischen Gras, VSStÖ und KSV, das sich nach den letzten ÖH- Wahlen im Frühjahr gebildet hat, versuchte die Studiengebühren auf einem legalen Weg zu bekämpfen. Der Boykott scheiterte in erster Linie, weil die ÖH- Führung keine breite Mobilisierung anstrebte.. Wir treten für den gemeinsamen Kampf von SchülerInnen, StudentInnen und Lehrenden ein, denn Widerstand oder Streik im Bildungsbereich kann nur erfolgreich sein, wenn alle Betroffenen Solidarität und Kampfgeist beweisen, daher: Gemeinsam statt Einsam! Juni 2001 |