"Mehr Arbeit für weniger Lohn"Florentin Döller führte ein Interview mit Roland Czernitc von der "Unabhängigen Bildungsgewerkschaft - Wien" September 2001Ostwind: Nach der Gründung der "Unabhängigen Bildungsgewerkschaft" in Vorarlberg im Juni hat sich nun auch die UBG- Wien gegründet. Können sie die UBG bitte kurz vorstellen. Czernitc: Die UBG ist eine neue eigenständige Gewerkschaft, die nicht in den ÖGB (Österreichischer Gewerkschaftsbund) integriert ist. Sie hat sich aus den Vorarlberger LehrerInnenprotesten entwickelt und hat den Anspruch die Einsparungen im Bildungsbereich nachhaltig zu verbessern bzw. dafür zu kämpfen, daß sie zurückgenommen werden. Sie tritt für höhere Einstiegsgehälter der LehrerInnen und für eine höhere Lebensverdienstsumme ein. Weiters kämpft sie für Verbesserungen im Bildungsbereich, was sowohl für LehrerInnen als auch für SchülerInnen Vorteile mit sich bringt. Sie fordert kleinere KlassenschülerInnenzahlen eine verstärkte Förderung von Intergration, und pädagogische Maßnahmen, die diesem Jahrhundert entsprechen. Ostwind: Im wesentlichen gab es ja zwei entscheidende Punkte, die zur Gründung der UBG führten. Die vermehrte Kampfbereitschaft der Beschäftigten im Bildungsbereich, die sich die Kürzungen der Regierung nicht länger gefallen lassen wollten und die Gewerkschaftsbürokratie, die wie eh und je versuchte die Kämpfe einzuschläfern und zum Stillstand zu bringen. Mit welchen Verschlechterungen sind die LehrerInnen zu Beginn dieses Schuljahres konfrontiert? Czernitc: - Die LehrerInnen in AHS und BHS haben ihre Abschlagstunden verloren - d.h: für Klassenführung, Kustodiate und sonstiges bekommen sie nur mehr Einmalbeträge, die weit unter ihren üblichen Stundenverdiensten liegen. Die Überstundenzuschläge wurden um 23% gekürzt. Die KlassenschülerInnenhöchstzahlen und (Teilungszahlen) wurden seit Jahren erhöht, was wiederum eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen bedeutet. (in der HS wurden die Eröffnungszahlen für Klassen erhöht) Und dann kommt noch dazu, daß die LehrerInnen so wie alle anderen BeamtInnen schon seit mittlerweile zehn Jahren immer wieder die schlechtesten Gehaltsabschlüsse haben, was zu massiven Reallohnverlusten führte und führt. Im Pflichtschulbereich kommt zu den oben genannten Verschlechterungen auch noch das neue Landeslehrerdienstgesetz dazu, das eine Jahresarbeitszeit für LehrerInnen vorsieht, die einem/r Beamten/in entspricht und die er/sie in 36 Wochen leisten soll. Dies entspricht ungefähr einer 50 Stunden Woche, die er/sie halten soll. Österreichweit hat dieses Modell eine Erhöhung der LehrerInnenarbeitszeit um 0,8 Stunden zur Folge, und damit auch den Abbau von Planstellen. Das Gesamtpaket heißt mehr Arbeit für gleichen bzw. weniger Lohn, weil Klassenvorstände ja jetzt keine Zuschläge mehr erhalten. Ostwind: Die AHS- LehrerInnen wählten im letzten Jahr Boykottmaßnahmen als Mittel zur Bekämpfung des Bildungsabbaues. Wie ist die Stellung der UBG zu den Boykottmaßnahmen- "ein Tropfen auf den heißen Stein"? Czernitc: Die UBG hat immer gesagt, dass der Boykott nicht das Ende des Protests sein kann. Wir unterstützten die Boykottschulen, da diese Maßnahmen Bewußtsein unter den LehrerInnen schaffen. Unser Ziel ist aber der unbefristete Streik, um so Vebesserungen für alle Beschäftigten im Bildungsbereich erkämpfen zu können.
In Wien wird der Bokott hauptsächlich von unzufriedenen GÖD GewerkschafterInnen getragen, was die GÖD Spitze auch gleich zu Schulbeginn dazu brachte die Anzahl der Boykottschulen medial herunterzuspielen. Wieder einmal hat die GÖD-Spitze bewiesen, auf welcher Seite sie steht. Ostwind: Die "SchülerInnenaktionsplattform" hat die Kämpfe der LehrerInnen immer unterstützt, wie zum Beispiel auch den Streik der AHS- LehrerInnen am 5. Dezember des vorigen Jahres. Was uns aber damals aufgefallen ist, ist, daß die Unterstützung des Streikes durch die SchülerInnen sehr schwierig war, da es von LehrerInnenseiten keine Angebote zu gemeinsamen Aktionen gab. Wie könnte sich die UBG einen gemeinsamen Kampf vorstellen? Czernitc: Ich denke mir, dass ein gemeinsames Auftreten von SchülerInnen und LehrerInnen ganz wichtig ist, da die SchülerInnen einerseits die Informanten nach außen sind, denn sie sind es die Informationen an die Eltern weitergeben. Andererseits sind sie genauso von den Einsparungen bei den LehrerInnen betroffen, denn welcher/e Schüler/in ist über einen gestressten und frustrierten/e Lehrer/in froh. Also, ich sehe überhaupt keine Hindernisse für eine Zusammenarbeit der SchülerInnen und LehrerInnen. Ostwind: Die Regierung versucht ja andauernd die Beschäftigten im Bildungsbereich zu spalten, in dem sie von AHS- LehrerInnen, PflichtschullehrerInnen, BerufschullehrerInnen usw. redet. Wie bekämpft die UBG diese bewußte Spaltung? Czernitc: So etwas gibt es bei uns nicht. Wir fühlen uns als Vertretung aller im Bildungsbereich Beschäftigten. Wir vertreten alle gemeinsam. Wir halten diese Solidarität für ganz wichtig. Wir schließen auch KindergärtnerInnen und HochschullehrerInnen mit ein und versuchen mit ihnen Kontakt aufzunehmen und gemeinsame Aktionen durchzuführen. Ostwind: Zuletzt möchte ich sie noch fragen in welchen Bundesländern es die UBG gibt und wie viele Mitglieder sie hat? Czernitc: Die UBG gibt es als Gruppe bis jetzt in zwei Bundesländern: In Vorarlberg (als Gründungsland) und in Wien. Wir haben im Moment 825 Mitglieder, wobei diese Zahl nahezu täglich steigt. Aufgrund unserer sehr ambitionierten Arbeitsgruppe, die sich mit den regionalen Kontakten beschäftigt, hoffen wir in Bälde in Kärnten, der Steiermark, Niederösterreich und Oberösterreich ein Gruppe bilden zu können. Danke für das Interview! |