Zurück ins Mittelalter...

Obwohl es heißt, dass es keine Strafen mehr gibt, sind wir doch täglich mit solchen konfrontiert. Strafen wie in der Ecke stehen, aus dem Unterricht geschickt werden, Hiebe mit Rohrstäben oder Linealen, etc. zählen angeblich zur Vergangenheit, sind aber teilweise an einigen Schulen immer noch Realität.

von Laura Kösten und Lucia Döller
Gymnasium Rahlgasse
März 2001

Am Sacré Coeur Pressbaum werden sinnvolle Strafen, wie Fische im dortigen Aquarium zu zählen, angewendet. Genauso wie dort SchülerInnen aufgrund "böser Taten" immer noch in der Ecke stehen müssen. Bei den Demonstrationen im letzten Februar wurde den SchülerInnen mit Verwarnungen gedroht.

Auch in der Rahlgasse, die als eine relativ liberale Schule gilt, können SchülerInnen, trotz Verletzung der Aufsichtspflicht, aus dem Unterricht geschickt werden. Auf der anderen Seite wird SchülerInnen mit dem Argument eben dieser Aufsichtspflicht untersagt kurz das Schulhaus zu verlassen um sich eine Semmel zu kaufen, bzw. in den Pausen dem Schulklima zu entfliehen oder frische Luft zu schnappen. Egal ob nun die Aufsichtspflicht vernachlässigt wird oder nicht, die SchülerInnen zahlen drauf - wie so oft!

Viele LehrerInnen glauben, dass Strafen SchülerInnen davon abhalten, sich falsch zu verhalten. Sie empfinden jegliche Art von Störung als Angriff auf ihre eigene Person, da schließlich ihr Unterricht gestört wird und bestrafen dies auch dementsprechend. Dass der Unterricht für die Schüler da sein sollte, und nicht zur Befriedigung der Lehrer, wird dabei außer acht gelassen.

Ein beliebter Ausdruck für Strafe ist Repression. Im Duden Fremdwörterbuch steht geschrieben:Repression [lat.] die; -en: 1....2. (Soziol.) a) Unterdrückung individueller Entfaltung und individueller Triebäußerung durch gesellschaftliche Strukturen und Autoritätsverhältnisse;...Das heißt auf Deutsch: Durch Androhung einer Strafe (Repressalie) hindere ich dich daran, etwas zu tun, was du ansonsten tun könntest (Entfaltung) oder wolltest (Trieb). Ein weiteres Problem ergibt sich durch die Frage, wem das "Schuleigentum" wirklich gehört. Wer bestimmt was schön ist und was nicht? Wer darf die Schule gestalten? Wenn den SchülerInnen die Tische so gefallen wie sie sind, weshalb dürfen sie dann nicht so bleiben? Tische, Klassen oder auch die gesamte Schule zu reinigen sind leider immer noch beliebte Strafen.

Es scheint es für viele LeherInnen ein Problem zu sein, dass SchülerInnen während ihres Unterrichts auf die Toilette gehen. Warum? Wir wissen es nicht. Ersten kann es kein Problem sein, wenn Menschen stillschweigend den Raum verlassen um ihren Bedüfnissen nachzukommen und zweitens, würden weniger SchülerInnen aus Langeweile die Klasse verlassen, wenn der Unterricht interessanter gestaltet wäre. Der Unterricht sollte für die SchülerInnen und mit ihnen sein und nicht gegen sie. Demnach kann auch die Direktion keine Zuspätkommregel als "pädagogische Maßnahme" beschließen, wie es an der Rahlgasse zur Zeit der Fall ist. Dasselbe gilt auch für Hausordnung, Disziplinarpyramide, etc. Schulpolitk kann eben nicht von oben herab gemacht werden. Neben all diesen Strafen gibt es fast keine Konsequenzen für LeherInnen, was das Zuspätkommen oder auch das Beschimpfen von SchülerInnen betrifft.

Könnten nicht durch eine bessere Qualität des Unterrichts auch "Symptome" wie beschmierte Tische, der Laustärkepegel in den Klassen, Zuspätkommen oder Schwänzen, verringert werden?

Wir wollen eine demokratische (und nicht pseudodemokratische) Schule in der SchülerInnen Spaß am Unterricht haben und sich wohl fühlen können. Doch bereits vor einigen Jahren hat Unterrichtsministerin Gehrer ankündigen lassen, wieder zu alten Rohrstabmethoden zurückkehren zu wollen. Mit der derzeitigen Regierung ist dies leider auch im Bereich des Möglichen. Gegen diese Gefahr müssen wir kämpfen!

 
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