Disziplinarpyramide - was bringt sie?
Mit Beginn des zweiten Semesters bekommt unser Schulleben eine neue Qualität, die Disziplinarpyramide wird in die "Probephase" geschickt.
von Florentin Döller Gymnasium Rahlgasse März 2001
"Beschädigung von Schulinventar"= Stufe 4 = Verwarnung durch den Klassenvorstand. Das ist ein typisches Beispiel für die Anwendung der Disziplinarpyramide. Bei näherem Hinschauen auf die Einteilung der Delikte in die sieben Stufen der Pyramide erkennt man jedoch, daß sich die Beschmutzung von Schulinventar auf Stufe 1, die Beschädigung allerdings auf Stufe 4 befindet. Aus den Erfahrungen meines mittlerweile doch schon recht langen Schullebens weiß ich aber, daß Beschmutzung oft mit Beschädigung gleichgesetzt wird. Lange Rede kurzer Sinn, diese Beispiel soll veranschaulichen, daß die Disziplinarpyramide in dieser Form ihrem von der Direktion erteilten Anspruch alle Vergehen und deren Konsequenzen in der Schule transparenter zu machen, nicht gerecht wird. Wer kontrolliert sie?
In dieser Frage ist es wichtig die Machtverhältnisse in einer Schule klarzumachen. Wenn LehrerInnen alleinig über die Einordnung der "Vergehen" in die verschiedenen Stufen entscheiden können, haben sie die völlige Hoheit über das System der Pyramide die für sie selber nicht gilt. Denn wie soll eine System transparenter und somit "gerechter" werden, wenn es keiner effektiven Kontrolle unterliegt? Deswegen stellt die Pyramide meiner Meinung nach keinen Fortschritt für die SchülerInnen in Richtung eines besseren "Schutzes" gegenüber unfairer Bestrafungen dar.
Die Pyramide des Schulschiffes
In der Diskussion über die Einführung einer Pyramide an unserer Schule, ist von Seiten der Direktion oft die Disziplinarpyramide des Schulschiffs als Vorzeigebeispiel hergenommen worden. Diese kann man aber keineswegs mit unserer vergleichen, da sie aus neun Stufen besteht und es keine Einteilung von Delikten gibt. Eine Erfahrung, die sich am Schulschiff herausgestellt hat, halte ich für die Diskussion an der Rahlgasse für sehr wichtig: Wenn einer/eine einmal in der Pyramide vermerkt ist, tendieren die LehrerInnen dazu ihn/sie bei nicht nennenswerten Kleinigkeiten noch einmal zu bestrafen, also ihn/sie eine Stufe hinaufzusetzen. Das halte ich für sehr bedenklich. Mitbestimmung ist unser Recht!
Da SchülerInnen und LehrerInnen nunmal die zwei Pole in der Schule bilden, sollten unserer Meinung nach auch beide das Recht auf Mitbestimmung von "Disziplinierungsmaßnahmen" haben. Dies würde einerseits eine effektive Kontrolle des Systems bedeuten und somit die Willkür zu einem gewissen Grad unterbinden können, andererseits würde dies aber auch eine Verbesserung des Schulklimas zur Folge haben. Denn das würde wiederum weniger Aggression in der Schule bedeuten, d.h. weniger potentielle "Poblemfälle".
Auf Grund der genannten Punkte halte ich ein Hausordnungskomitee für die beste Lösung. In diesem wären SchülerInnen und LehrerInnen proportional zur normalen Verteilung in der Schule, vertreten. Es würde sich regelmäßig treffen und über "Problemfälle" und wie man mit diesen umgeht, diskutieren und auch Lösungvorschläge erarbeiten.
Da dieses Modell von LehrerInnenseite immer nur belächelt wurde, werde ich begründen, warum ich so etwas für sinnvoll und erstrebenswert halte. Da eine Hausordnungskomitee mehr Demokratie in der Schule bedeuten würde, hätte dies auch automatisch eine Verbesserung des Schulklimas zur Folge.
Weiters könnten die SchülerInnen lernen mit Verantwortung umzugehen und dabei gleichzeitig ein gewisses Konfliktmanagement erlernen. Und da eine Schule ja den Anspruch hat, den SchülerInnen etwas fürs Leben beizubringen, würde ein Hausordnungskomitee eine ideale Möglichkeit darstellen, dieses Ziel zu erreichen.
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