Streik ist gerechtfertigt - eine Ausweitung nötig Solidarität mit den KollegInnen des Bordpersonals!
update, 18. August 2003

Letzten Donnerstag fand ein - trotz anderslautender Aussagen des AUA-Managements - überraschender 2h-Streik des AUA-Bordpersonals statt. Anlass sind die Ankündigung des Managements, die Pilotenblockkosten um 35% bis 2008 zu senken sowie unverhohlene Kündigungs-Drohungen. Es ist klar, dass die AUA nicht Flüge, sondern Gehälter gekürzt will. Wir meinen: jeder Erfolg des Widerstands der AUA-Beschäftigten ist ein Erfolg für alle ArbeitnehmerInnen.

Bei der am Donnerstag stattgefundenen Betriebsversammlung stimmten bis auf eine Handvoll ca. 600 KollegInnen für den Streik. Derzeit droht das Management mit Entlassungen. Der Bord-Betriebsrat hat über das verlängerte Wochenede bewusst keine weiteren Streiks stattfinden lassen. Nächste Woche sind wieder etwas längere Streiks zu erwarten. (Wir werden berichten!) Hier geht es vor allem um Taktik, die auch die 'öffentliche Meinung' berücksichtigt: Ziel ist, vor allem die Business-Class zu betreffen. Wenn Business-Class-Passagiere aus Streik-Angst umbuchen, setzt das der AUA am stärksten zu. Das verlängerte Wochenende wird ausgelassen, um nicht zu stark normale Passagiere der Economy-Class zu Wartezeiten zu zwingen. Das ist natürlich ein heikler Punkt, da es bei Streiks im Transportsektor letztlich unvermeidbar ist, den Verkehr lahm zu legen. Wichtig hierbei ist, zu betonen, dass der Kurs des Managements und der internationale Preiskampf der Fluglinien (Folge der Krise der kapitalistischen Wirtschaft) dafür verantwortlich ist und nicht das Personal!

Ein wichtiger Schritt wäre, dass sich der AUA-Bord-Betriebsrat an GdE (ÖBB), Postgewerkschaft etc. wendet und offen an den ÖGB appeliert, sie zu unterstützen. Ziel sollte die Abhaltung einer Kundgebung und Demo mitten in Wien sein: vor der Niederlassung der AUA am Schwarzenbergplatz. Am besten in Verbindung mit anderen Gewerkschaften und Berufsgruppen. Motto: Gemeinsamer Kampf gegen Lohnkürzungen, Jobabbau und Pensionsraub! Der ÖGB hätte die Verantwortung, der Medienpropaganda mit Argumenten entgegen zu wirken. Es ist eine Schande, dass er sich noch nicht unterstützend zum Arbeitskampf geäußert hat.

Das Flugpersonal, vorrangig PilotInnen, werden als "reich", "gierig" und "privilegiert" dargestellt. Tatsächlich liegen ihre Einkommen höher als in anderen Branchen, was doch ein gutes Argument ist, die Löhne und Gehälter anderswo anzuheben! Folgend einige Argumente gegen die PilotInnen-Hetze:

Dass PilotInnen soooo reich erscheinen, liegt an den niedrigen Einkommen in anderen Bereichen! PilotInnen haben eine langwierige und teure Ausbildung. Die Dauer des Lebensverdienstes ist kürzer, da durch gesundheitliche Probleme (Sehkraft) ab einem früheren Punkt als in anderen Berufen die PilotInnen-Karriere vorbei ist. Zu konkreten Zahlen: diese Gehälter werden IMMER brutto angegeben, während bei Politiker-Einkünften, wenn sie mal öffentlich diskutiert werden, diese netto sind. Die Einstiegsgehälter bei der AUA liegen bei 2.218,- brutto. Damit ist man nicht reich! Bei Lauda liegen sie niedriger bei 1.887,-. Ein konkretes Beispiel eines Betriebsrates, der seit 13 Jahren Flugkapitän ist: bei 70% Teilzeit 3.000,- netto. Bei Vollzeit läge das zwischen 3.500,- und 4.000,- netto. Kein Vergleich zu den Konzern-Managern und deren Büttel in der Politik: ein kleines Beispiel aus der ÖIAG (hält derzeit noch 39% der AUA-Aktien): der vorzeitige Abgang von Streicher (SPÖ) und einem zweiten Vorstandsmitglied kostete 2,5 Millionen EURO an Abfertigung für die beiden! Was verdienen AUA-Chef Sörensen und Co.? Bisher bekannt: Die AUA-Belegschaft hatte sich im vorigen Jahr als Beitrag zur 'Gesundung des Unternehmens' solidarisch bereit erklärt, Gehaltskürzungen bis zu 15 % (!) hinzunehmen. Gleichzeitig hat der Aufsichtsrat beschlossen, die Aufsichtsratsdotation um 70 % und dies rückwirkend für das Jahr 2001 zu erhöhen. Das ist blanker Zynismus des Teams rund um den ehemaligen ÖVP-Minister Dr. Johannes Ditz. In Zahlen: Der Vorsitzende erhält nun 18.400,- (bisher 10.400,-), sein Stellvertreter 13.650,- statt 7.800,-, die anderen Aufsichtsräte 9.100,-statt 5.400,-. (aus einer parlamentarischen Anfrage der Grünen.)

Es gibt bei der AUA mehrere Trennlinien, einerseits traditionell zwischen Bord und Boden sowie zwischen AUA-Flugpersonal und den beiden AUA-Töchtern tyrolean und Lauda, die (derzeit noch) als eigenständige Marken fungieren. Der Bord-Betriebsrat der AUA hat in letzter Zeit eine solche Einigung mit Lauda-BR und tyrolean-BR gesucht. AUA-Bord hat unter anderem die Forderung nach Erhöhung der Gehälter bei Lauda und tyrolean als zentralen Punkt aufgenommen. Ausserdem: es geht nicht nur um PilotInnen, sondern auch FlugbegleiterInnen, die wesentlich weniger verdienen.

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