Der Frauenstammtisch der Sozialistischen LinksPartei (SLP)

ist ein Zusammenschluß von Frauen aus verschieden Bereichen. Schülerinnen, Studentinnen und Arbeiterinnen sind bei uns aktiv. Wir verstehen uns als Sozialistinnen und Feministinnen. Wir glauben, daß die Voraussetzung für die endgültige Befreiung der Frauen eine neue, nichtkapitalististische Gesellschaftsordnung ist. Der permanente Kampf für eine bessere Gesellschaft muß aber auch jetzt schon der permanente Kampf für die Befreiung der Frau sein. Das Warten auf eine bessere Gesellschaftsordnung darf niemals als Ausrede für patriachale Strukturen in der jetzigen dienen.

Als Frauenstammtisch wollen wir verschiedene Frauen zusammenbringen um Frauenpolitik zu machen. Aber die Befreiung der Frau ist nicht ausschließlich Sache der Frauen. Wir wollen und können den Kampf für eine bessere Gesellschaftsordnung nicht alleine führen. Deshalb arbeiten wir in der SLP auch mit Männern zusammen. Der Frauenstammtisch selbst ist allerdings nur Frauen vorbehalten. Männer laden wir aber ein, im Rahmen der SLP mit uns zusammen zu arbeiten.

Wir schlagen zurück!

Frauen waren schon in der Vergangenheit ein wichtiger Bestandteil von politischen und sozialen Revolutionen. So selbstverständlich das auch klingen mag, ist diese Tatsache trotzdem oft in der offiziellen Geschichtsschreibung geleugnet oder schlichtweg "vergessen" worden. Frauen waren aber nicht nur Teil revolutionärer Bewegungen, sondern sogar Auslöserinnen von weiteren Kämpfen: So zum Beispiel bei den Brotrevolten in Frankreich oder die Textilarbeiterinnen in Petrograd, die den Beginn der Russischen Revolution einleiteten. Frauen waren dann auch oft die letzten, die am vehementesten die Errungenschaften der Revolution gegen die Reaktion verteidigten. So berichtete ein britischer Journalist über die Pariser Commune, daß es die Frauen waren, die mit dem Gewehr in der Hand bis zuletzt die Barrikaden verteidigten und er meinte dazu: "Wenn alle Franzosen wie ihre Frauen wären, müßte man sagen: Was für ein Land."

Im Spanischen Bürgerkrieg waren Frauen nicht nur in der Reserve, sondern an der Front aktiv - zumindest solange, bis die Stalinisten die Frauen auch hier auf ihre "traditionelle Rolle" verwiesen. Bei der Roten Hilfe und bei Botengängen waren zahllose Frauen gegen den Faschismus tätig ebenso wie im bewaffneten Widerstand. Das "Mädchen mit den roten Haaren", die in Holland Nazikollaborateure und SSler erschoß, war der Schrecken der Faschisten. Und diese schreckten keineswegs vor der angeblichen Zartheit von Frauen zurück, wenn es darum ging, diese zu foltern und im KZ zu ermorden.

Diese Beispiele zeigen, daß Frauen sich immer wieder organisieren und für ihre Rechte kämpfen.

Das kapitalistische System braucht die Unterdrückung und Ausbeutung der Frauen. Selbst in einem der reichsten Länder der Welt, in Österreich, ist die Ungleichbehandlung von Frauen offensuichtlich. Das liegt nicht daran, weil Männer und Frauen biologisch anders sind, sondern weil ihnen unterschiedliche Rollen zugeschrieben werden.

Das kapitalistische System profitiert von dieser ungleichen Rollenzuschreibung. In Zeiten der wirtschaftlichen Krise können aufgrund dieser Aufteilung Frauen aus dem Arbetismarkt gedrängt werden und den ihnen zugeschriebenen Aufgaben der Kinderbetreuung und Haushaltsführung nachkommen. Auch der enorme Anstieg der Teilzeitarbeitsplätze für Frauen geht in diese Richtung, weil diese schlechtbezahlten Jobs kein eigenständiges Einkommen ermöglichen und so die Abhängigkeit vom Mann verstärken. Profit beziehen die Unternehmer aus der Arbeitskraft, die von den ArbeiterInnen geleistet werden, um Waren und Dienstleistungen herzustellen.

Aber auch vom enormen Anteil an unbezahlter Arbeit, den Frauen leisten, profitiert das kapitalistische System. Da die Wirtschaft in den Händen weniger privater Eigentümer und Banken liegt, kann eine kleine Minderheit über riesige Geldmengen verfügen. Einem Prozent der Vermögenden gehört 25% des gesamten Reichtums in Österreich. Der Unterschied zwischen Arm und Reich wird immer größer. Während die Einkommen der ArbeiterInnen und Angestellten seit 1970 um das Sechsfache gestiegen sind, explodierten die Besitzeinkommen um das Siebzehnfache. Die großen Konzerne, Versicherungsgesellschaften und Banken müssen daher enteignet und in gesamtgesellschaftliches Egentum überführt werden, damit die Mehrheit über den Reichtum im Interesse aller verfügen kann.

CWI Frauen

Die SLP ist Teil einer internationalen Organisation, des CWI (Comitee for a Workers International). Auch in den anderen, über 40 Ländern unserer Internationale organisieren sich Frauen innerhalb der Bewegung mit Veranstaltungen, Aktionen und Kampagnen gegen die Diskriminierung von Frauen. In Brittannien läuft schon seit einigen Jahren eine Kampagne gegen Gewalt in der Familie ("Campaign against domestic violence"), in der die Straffreiheit für Frauen gefordert wird, die ihren gewalttätigen Partner oder Ehemann getötet haben, nachdem sie selbst jahrelang mißhandelt wurden. Diese Kampagne richtet sich gegen das britische Gesetz, das diesen Frauen keine Straffreiheit oder Strafminderung im Sinne von Notwehr zugesteht und sie so zu lebenslanger Haft verurteilt. In vielen britischen Städten wurden im Rahmen dieser Kampagne Veranstaltungen und Demonstrationen zu diesem Thema durchgeführt, was den konkreten Erfolg hatte , daß bereits für eine Frau eine Haftentlassung erkämpft werden konnte.

In Schweden läuft eine Kampagne gegen Sexismus in der Schule unter dem Titel "Nenn mich nicht Hure". Dabei geht es darum, daß das Selbstbewußtsein von Mädchen in Schulen gestärkt wird, damit sie sich gegen den alltäglichen Sexismus, dem Frauen ausgesetzt sind, zur Wehr setzen können. Im Rahmen dieser Kampagne wurde aufgezeigt, daß 47% aller Mädchen bereits Erfahrung mit sexueller Belästigung gemacht haben.

Diese Beispiele ließen sich fortsetzen und sollen als Anregung dienen, selbst aktiv zu werden, aktuelle Themen, konkrete Angriffe auf Frauenrechte aufzugreifen, um Veranstaltungen, Aktionen oder Kampagnen zu starten.

Aktiv werden, Mitglied werden!

 
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